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Sterbehilfe-Vereine : Humaner Tod?

Welche Gruppen hinter dieser Plakataktion stecken, ist leicht zu klären Bild: dpa

Sterbehilfe-Vereine sehen den assistierten Suizid als Ausdruck von Menschenwürde. Doch nicht immer stehen dahinter bestimmte weltanschaulichen Lager. Oft ist es ein zeitgemäßes Autonomiedenken mit ganz eigener Dynamik.

          Atheisten und weltanschaulich nicht gebundene Menschen beantworten die Frage, ob aktive Sterbehilfe und ärztlich assistierter Suizid ein würdiges Sterben ermöglichen, mit einem entschiedenen Ja. Aus welchem Lager sie allerdings genau stammen, ob sie dem Humanistischen Verband oder anderen Gruppierungen angehören, lässt sich kaum sagen. Nicht immer lassen sich die weltanschaulichen Hintergründe der Sterbehilfe-Vereine so genau klären wie bei jener großflächigen Plakataktion „Mein Ende gehört mir“, die seit Anfang Oktober in Frankfurt am Main und in Berlin läuft und Gesichter prominenter Unterstützer zeigt.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Zu den Unterstützern der Aktion gehören der Humanistische Verband Deutschland, die Humanistische Union, die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben, der Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften, der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten, die Atheistische Hochschulgruppe Berlin, der Koordinierungsrat säkularer Organisationen, die Giordano-Bruno-Stiftung sowie der Bund für Geistesfreiheit Bayern. Als Bundesgesundheitsminister Gröhe Anfang dieses Jahres ankündigte, organisierte Selbsttötung strafrechtlich verbieten zu wollen, protestierten im März vor allem humanistische Organisationen. Sie verwiesen damals auf die gängige Praxis in der Schweiz, in Holland und in Belgien sowie in einem der amerikanischen Bundesstaaten (Oregon).

          Sind Freiheit und Selbstbestimmung absolute Werte?

          Die christlichen Kirchen haben demgegenüber immer die Unverfügbarkeit des Anfangs und des Endes bekräftigt. Kein Mensch habe sich selbst hervorgebracht. Wenn Leben und Sterben nicht in der Hand des Menschen lägen, könne es kein Konzept für einen schnellen und handhabbaren Tod geben – weder für Ärzte, die dem Leben verpflichtet seien, noch für den Sterbenden selbst und seine Angehörigen. Selbstbestimmung sei in christlicher Sicht zu verstehen als individueller Umgang mit dem eigenen Bestimmtsein. Freiheit und Selbstbestimmung seien keine absoluten Werte, daher sei es überaus problematisch, wenn Menschenwürde und Selbstbestimmungsrecht des Menschen in einen fast austauschbaren Zusammenhang gebracht würden, argumentiert Reinhard Hempelmann von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin.

          Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der bioethischen Debatten, dass Gegner wie Befürworter des jeweils in Frage stehenden Streitpunkts mit einem relativ verschwommenen Begriff von Menschenwürde argumentieren. Während die Vorstellung der Sterbehilfegegner von der Würde des Menschen Sterbehilfe und assistierten Suizid ausschließen, verstehen die deutschen Sterbehilfe-Organisationen Selbstbestimmung tatsächlich als Ausdruck der Menschenwürde und Autonomie. Dass damit eher ein Denken religiös nicht gebundener Menschen zum Ausdruck kommt, heißt allerdings noch längst nicht, dass humanistische Organisationen hinter den Sterbehilfe-Vereinen stecken. Dazu treffen sie mit ihren Statuten viel zu sehr ein zeitgemäßes Autonomie- und Unabhängigkeitsdenken, das eine ganz eigene Psychodynamik entwickeln kann, aber nicht unbedingt von einer bestimmten Organisation beeinflusst sein muss.

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