Weimar : Rechtsextreme überfallen DGB-Maikundgebung
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Drängelei auf der Kundgebung in Weimar Bild: dpa
In Weimar haben Rechtsextreme eine Maikundgebung gestört und die Teilnehmer bedrängt. Die Bilanz: vier Verletzte, 29 Festnahmen und ein verstörter Bundestagsabgeordneter.
Bei einem Überfall Rechtsextremer auf die DGB-Maikundgebung in Weimar sind am Freitag laut Polizei vier Menschen verletzt worden. Zuvor hatte die Polizei von 15 Verletzten gesprochen. 29 Personen wurden demnach festgenommen. Gegen sie wird wegen Landfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt. Die Angreifer bedrängten auch den SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider, der seinen Wahlkreis in Weimar hat und gerade eine Rede halten wollte.
Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte, die Angreifer hätten dem Politiker das Mikrofon entrissen und rechtsradikale Parolen gerufen. Schneider selbst twitterte: „40 junge Nationalisten haben gerade DGB-Kundgebung in Weimar während meiner Rede gestürmt, mich angegriffen und älteren Kollegen verletzt!“
40 junge Nationalisten haben gerade DGB- Kundgebung in Weimar während meiner Rede gestürmt, mich angegriffen und älteren Kollegen verletzt!
— Carsten Schneider (@schneidercar) 1. Mai 2015
Der „Berliner Morgenpost“ sagte Schneider: „Ich stehe noch immer unter Schock. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Nach Schneiders Angaben hat sich der Vorfall so zugetragen: „Ich wollte gerade zum Mikro, als sie auf uns im Block zumarschierten. Ich bin ihnen dann entgegen und habe gesagt, sie sollen verschwinden. Als sie dann das Mikro von mir greifen wollten, wehrte ich mich und wurde von drei Neonazis abgedrängt“, sagte Schneider der Zeitung. Dann seien ihm Parteikollegenzu Hilfe gekommen, unter ihnen Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf. „Mit einem Holzschild haben sie einen von uns in den Bauch gestoßen“, so Schneider weiter, „einen sechzigjährigen Kollegen von mir in den Schwitzkasten genommen.“ Erst als der Strom abgestellt worden sei und die Neonazis ihre Parolen nicht mehr hätten skandieren können, seien sie abgezogen.
Nach Polizeiangaben hatten etwa 50 Neonazis die von schätzungsweise 200 Menschen besuchte Veranstaltung auf dem Markt gestürmt. Auf einem Plakat gaben sich die Angreifer nach Angaben von Augenzeugen als „Junge Nationaldemokraten“ aus, das ist die Jugendorganisation der rechtsextremen NPD.
Die Gewerkschaften äußerten sich entsetzt. Der DGB-Landesvorsitzende Sandro Witt verlangte eine Erklärung von Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD). Bei der Kundgebung in Weimar war nach Angaben einer Polizeisprecherin ein Streifenwagen am Ort. Allerdings war die Thüringer Polizei am Freitag wegen zweier Neonazi-Aufmärsche in Erfurt und Saalfeld im Großeinsatz.