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Bundespräsident Steinmeier : Streiten pianissimo

Bundespräsident Steinmeier und eine Weihnachtspuppe: Mehr Reden mit seines Nichtgleichen. Bild: dpa

Brennende Barrikaden in Paris, tiefe politische Gräben in Amerika: Frank-Walter Steinmeier warnt vor den politischen Gefahren einer Verrohung der Sitten – und fordert, Kompromisse als Stärke anzusehen.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seiner Ansprache zu Weihnachten daran erinnert, dass der Wille und die Fähigkeit zu Kompromissen Grundlage der Demokratie seien. Steinmeier sagte: „Einen Kompromiss zu finden, ist keine Schwäche“, sondern sei eine Stärke der Demokratie. Der Bundespräsident wandte sich in seiner bereits aufgezeichneten Fernsehansprache, die am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags ausgestrahlt wird, an die Bürger des Landes und appellierte an sie, wieder mehr miteinander ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam eine drohende Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. „Lassen Sie uns dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft mit sich im Gespräch bleibt“, sagte das Staatsoberhaupt.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          In vielen Ländern sei zu beobachten, was passiere, wenn Gesellschaften auseinanderdrifteten, wenn eine Seite mit der anderen kaum noch reden könne, ohne dass die Fetzen flögen. Steinmeier sagte: „Wir haben brennende Barrikaden in Paris erlebt, tiefe politische Gräben in den USA, Sorgen in Großbritannien vor dem Brexit, Zerreißproben für Europa in Ungarn, Italien und anderswo.“ Auch Deutschland sei gegen solche Entwicklungen nicht geschützt. Es gebe auch bei uns im Land Ungewissheit, Ängste und Wut.

          Daher sei das Gespräch und die Suche nach Kompromissen wichtig. Nach Auffassung des Bundespräsidenten gibt es dahingehend Mängel im Gefüge der Republik. Steinmeier beschrieb es so: „Ich habe den Eindruck, wir Deutsche sprechen immer seltener miteinander. Und noch seltener hören wir einander zu. Wo immer man hinschaut, erst recht in den sozialen Medien: Da wird gegiftet, da ist Lärm und tägliche Empörung.“

          Seine Empfehlung zum Weihnachtsfest lautet daher: „Wir müssen wieder lernen, zu streiten, ohne Schaum vorm Mund, und lernen, unsere Unterschiede auszuhalten. Wer Streit hat, kann sich auch wieder zusammenraufen“, sagte Steinmeier. Und dann äußerte der Präsident, neben guten Wünschen für alle, auch seinen Weihnachtswunsch an seine Landsleute: „Sprechen Sie mit Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind! Sprechen Sie ganz bewusst mal mit jemandem, über den Sie vielleicht schon eine Meinung haben, mit dem Sie aber sonst kein Wort gewechselt hätten.“

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