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Weihnachten wird anders : Gender in der Krippe

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Die Politik erschwert es erheblich, in fröhliche oder gar selige Stimmung zu gelangen. Passen Krippe und Weihnachtsgeschichte noch in diese unsere Zeit? Gedanken zum Fest.

          Weihnachten ist nah, aber noch nicht da. Es gilt nun, schleunigst in eine beschauliche und friedfertige Weihnachtsstimmung zu geraten, und das gilt für uns beide: Leser und Lügenpresse. Einfach ist es nicht. Zu Hause stehen im Pappkarton schon Großmutters Krippenfiguren zum Aufbau bereit. Doch man fragt sich bang: Passt so eine Krippe überhaupt noch in unsere Zeit? Wird da nicht zum Beispiel ein anachronistisches Familienbild transportiert? Vater, Mutter, Kind, und gut is?

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie fühlt sich zum Beispiel ein junger Pangender angesichts der Heiligen Familie? Dass Sie nicht wissen, was ein Pangender ist, beweist bereits, dass er sich beschissen fühlt.

          Ein anderes Beispiel, näher auf der Pelle dieser Tage vor den Tagen zwischen den Jahren: Eben erst hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass das Kaufen von Kindern beziehungsweise der Erwerb der Austragungs- und Gebärleistung sogenannter Leihmütter, was im Inland verboten ist, wenn es im Ausland geschieht, im Inland erlaubt ist.

          Sie verstehen auch das nicht, macht nichts, Sie hätten doch auch vor ein paar Jahrzehnten noch nicht gedacht, dass man Mütter leihen kann, oder? Bleiben wir doch ehrlich.

          Die Richter haben rausgefunden, dass im konkreten Fall das Kindeswohl und der Wunsch eines schwulen Paares, ein eigenes Kind zu haben, wundersam zusammenfallen. Schlicht „salomonisch“ kann dieses Urteil schon nicht mehr umfassen, das Adjektiv greift zu kurz. Denn jetzt braucht sich auch der Bundestag keine Gedanken mehr über die Adoption von Kindern durch Schwule zu machen, in Deutschland gilt kalifornisches Recht.

          In der Krippe, ja der ganzen Weihnachtsgeschichte kommt jedoch kein einziger Schwuler vor, jedenfalls keiner mit Comingout, während in Berlin gerade zwei schwule Bundes- bzw. Exbundestagsabgeordnete, die Sozialdemokraten Edathy und Hartmann, die Republik rocken.

          Das ist superanregend, hilft aber einer fröhlichen und seligen Weihnachtsstimmung nicht wirklich voran. Man beschäftigt sich stattdessen mit diesen beiden Männern, von denen mindestens einer auf kleine nackte Jungs steht und mindestens der andere auf Crystal Meth.

          Es ist nicht recht klar, wer da wen und was und so: Aber klar ist allemal, dass die Spitzbuben bis vor kurzem noch legislative Schlüsselpositionen im Bereich der Inneren Sicherheit besetzt haben. Hartmann feierte eben erst beim Festakt zum Abschied des BKA-Präsidenten in der ersten Reihe mit. Zumindest ist da die Resozialisierung nicht gefährdet, anders als vielleicht in Marrakesch und um Marrakesch und um Marrakesch herum, wo Edathy sich aufhält.

          Wenn es um Beruf und Chance geht, interessieren sich Böcke eben für Gartenbau. Allein, der Weihnachtsstimmung nützt es gar nicht. Wie kommt man von Berlin nach Bethlehem? Vielleicht mit positivem Denken. Sogar bei den Oberammergauer Holzfiguren finden sich Elemente des Fortschritts: In Bethlehem ist alles Bio, und das Jesuskind darf schon vom ersten Tag an in die Krippe - unsere Kinder erst mit einem Jahr.

          Aber genügt das? Man muss wohl etwas früher ansetzen. Bei der Weihnachtsgeschichte selbst. Lukas 2. Gibt es inzwischen ja immerhin in gerechter Sprache. Allerdings: Nach nunmehr acht Jahren ist die schon wieder völlig veraltet. In der gerechten Bibel lobt Marias Seele zum Beispiel „die Lebendige“ - nicht etwa Gott, der bis dahin gut zweitausend Jahre lang ausgerechnet als weißer alter Mann aufgetreten war. Doch Bibel in gerechter Sprache: Das ist alles noch Gender 1.0. Da gab es nur männlich, weiblich und merwissesnet, was ungefähr mit er, sie, es hinkam.

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          Entsprechend hat man umgetextet. Doch in den zurückliegenden acht Jahren wurden laut Facebook 55 neue Geschlechter entdeckt, und deshalb ist die Bibel in gerechter Sprache heute schon wieder sauungerecht. Die Zeiten sind einfach vorbei, wo man gerechtigkeitshalber noch sagen konnte „Christinnen und Christen wurden im Kolosseum von Löwinnen und Löwen zerrissen“, denn man weiß doch nicht, ob da zum Beispiel auch Genderqueerchristen oder Translöwinnen oder der eine oder andere Seeelefant mit noch gänzlich unentdeckten Eigenarten dabei waren!

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