https://www.faz.net/-gpf-7xtix

Weihnachten wird anders : Gender in der Krippe

  • -Aktualisiert am

Das Problem ist schwer zu löwen, pardon, lösen, ich kann es auch nicht. Im Übrigen lässt sich, zurück zur Weihnachtsgeschichte, nicht einfach hinwegfälschen, dass Kaiser Augustus und Statthalter Quirinius weiße alte Männer waren; muss man ja eigentlich auch nicht, es passt ins Bild. Aber was ist mit „Josef aus dem Geschlechte Davids“?

Was, bitte schön, ist denn das Geschlecht Davids?! Da geht es doch schon los. Wie gesagt, ich hab jetzt auch keine Lösung parat. Noch schlimmer wird es dann bei Maria. Wie sang doch Milva in „Ich mag dich, weil du klug und zärtlich bist“ (ein Lied, von dem ich mich, nebenbei bemerkt, immer angesprochen fühlte, da ich ebenfalls klug und zärtlich bin)? Sie sang: „Wer wird als Frau denn schon geboren? Man wird zur Frau doch erst gemacht.“ Eben. Und mit dem Namen geht es los: Mari-A. Das ist nun mal die weibliche Endung (wenn auch nicht im Italienischen, siehe bzw. höre das ebenfalls gute Lied „Andrea“ von Fabrizio de André. Es geht nicht um eine Frau!).

Erlegt man nun einem Menschenkind außerhalb Italiens einen solchen Namen auf, macht man es in gewisser Weise doch schon zur Frau, oder nicht? Es hieße also besser „Mari-UM“, dann hätte man das Betroffene nicht so festgelegt.

Marx statt Maria?

Oder, wie Kollegin Haupt in Anlehnung an jene Person, die in Berlin Gender Studies lehrt und darum bittet, als „sehr geehrtx Profx Lann Hornscheidt“ angeschrieben zu werden, weil sie sich dann zumindest nicht schlechter fühlt, vorschlägt: Maria in Mar-X umbenennen. „Marx und Josef“ - klingt eigentlich nicht schlecht. Auch der Bundesgerichtshof käme damit wohl klar. Nur Dresden sollten die beiden meiden. Ägypten ist für Migranten sicherer.

 Aber da sind wir schon wieder in der Politik. Zurück also zur Weihnachtsstimmung. Versuchen wir es mal. Lukas 2,4: „Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte, welchem auch immer, Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Marx, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.“

Gescheitert, würde ich sagen. Wie Dobrindt. „Weib“, „schwanger“ - das sind eben wieder diese Festlegungen, mit denen andere oder anders Orientierte ausgeschlossen werden! Na gut, Marx ist schwanger, das geht heutzutage schon. Denken Sie an diese Frau, die ein Mann ist, der schwanger wurde. Gott segne ihn. Gott segne uns alle! Aber das „Weib“ müsste raus aus der zitierten Stelle, Weib ist schon eine sehr klare Festlegung oder kommt zumindest so rüber. Nur: Wäre das nicht auch wieder intolerant, das „Weib“ einfach aus der Weihnachtsgeschichte zu streichen?

In einer freien Gesellschaft sucht man den Kompromiss, also den Zustand, in dem alle gleich unglücklich sind (Angelx Merkel). Aber noch besser ist es, das Feld so zu erweitern, dass Kompromisse unnötig werden. Lösungen werden durch Abschaffung des Problems überflüssig. Dieses nennt sich Toleranz. Hieße mit Bezug auf Großmutters Krippe: Der Figurensatz muss erweitert werden. Die Oberammergauer müssen wieder ran und Menschen in ihrer ganzen bunten Vielfalt für eine zeitgemäße Krippe schnitzen. Aber hülfe das? Wäre es nicht wie eine riesige 3D-Seite für Vermischtes? Wem würde beim Anblick einer solchen Krippe das Herz aufgehen, wen auch nur der Weihnachtsblues erfassen oder die Weihnachtsmigräne niederwerfen?

Das Beste ist wohl, man lässt alles, wie es ist, Weihnachtsgeschichte und Krippe. Und dann kann jedes für sich entscheiden, was das mit x zu tun hat. Egal, welchem Geschlecht es angehört, ob es schwul ist oder schwanger, lesbisch oder cis, Profx, Richtx oder Abgeordnetx.

Weitere Themen

Topmeldungen

Schlagende Verbindungen : „Das Fechten gehört bei uns dazu“

Finn Götze studiert Theologie, und er ist in einer schlagenden Verbindung. Im Interview erzählt er, warum er nicht Burschenschafter wurde, wie er Vorurteilen begegnet und warum Frauen auch weiterhin außen vor bleiben müssen.
Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern liegen unter einer Hochspannungsleitung

Stromtrasse SuedLink : Extrem lange Leitung

Der SuedLink soll Deutschlands wichtigste Stromtrasse sein. Seit einem Jahrzehnt wird geplant, geredet und protestiert – aber nicht ein Kilometer des Kabels ist bisher verlegt. Warum dauert das alles so lange?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.