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Weibliche Dienstgrade : Feldwebelin, Bootsfrau, Oberstleutnantin

  • Aktualisiert am

Soldatinnen und Soldaten eines Offiziersanwärterlehrgangs marschieren im niedersächsischen Munster zu ihrem Gelöbnis. (Aufnahme von 2011) Bild: dapd

Bald soll die Verteidigungsministerin entscheiden, ob Dienstgrade in der Bundeswehr gegendert werden. Bei einigen Bezeichnungen würde es aber Ausnahmen geben.

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          Das Verteidigungsministerium will offenbar binnen eines Jahres weibliche Dienstgrade einführen – etwa Feldwebelin, Bootsfrau oder Oberstleutnantin. Nach Unterlagen, die der „Welt“ vorliegen, wird Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) an diesem Dienstag ein entsprechender Vorschlag zur Entscheidung vorgelegt. Die „Welt“ beruft sich auf das Protokoll eines Gesprächs, das von Staatssekretär Gerd Hoofe sowie zwei Abteilungsleitern abgesegnet wurde.

          Eine Sprecherin des Verteidigungsministerin wollte den Bericht gegenüber der F.A.Z. nicht bestätigen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sei „mit Vorhaben zu diesem speziellen Punkt“ bisher nicht befasst gewesen. Die Frage nach der sprachlichen Gleichbehandlung sei aber als eine von vielen Fragestellungen im Rahmen der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundeswehr in der Diskussion.

          Bislang wird den Dienstgraden die Anrede „Frau“ vorangestellt. Künftig soll der Dienstgrad dem Bericht zufolge dann selbst „gegendert“ werden – aber mit Ausnahmen. Die Planungen sähen vor, „die Begriffe Hauptmann und Oberst nicht zu gendern“. Es soll also laut „Welt“ keine Hauptfrau und keine Oberstin geben, sehr wohl aber eine Oberstleutnantin oder eine Brigadegeneralin.

          Die frühere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte das Thema nach Angaben der „Welt“ nicht behandelt, weil laut Befragungen eine Mehrheit der Frauen in der Bundeswehr geschlechterspezifische Dienstgrade abgelehnt habe.

          „Andere Sorgen“

          Die Frauen im Verteidigungsausschuss des Bundestags sehen die Pläne eher skeptisch. Es sei ihr völlig egal, ob es weibliche Bezeichnungen für Dienstgrade gebe, sagte die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, der „Welt“: „Ich glaube aber, dass die Bundeswehr andere Sorgen hat.“

          Die SPD-Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller findet es „prinzipiell gut, sich über diskriminierungsfreie Sprache Gedanken zu machen. Wenn ich mit weiblichen Angehörigen der Bundeswehr spreche, dann klagen die allerdings nicht über einen nicht gegenderten Dienstgrad, sondern über fehlende Schutzwesten, zu wenig Stiefel oder leergefegte Kleiderkammern, so dass sie keinen Fliegeranzug in ihrer Größe haben.“

          Zwölf Prozent Frauenanteil

          Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), äußerte sich unzufrieden mit dem niedrigen Anteil an Frauen in der Truppe. 20 Jahre nachdem der Europäische Gerichtshof entschieden hat, dass Frauen auch zum Dienst an der Waffe zugelassen werden müssen, sei angesichts von einem Frauenanteil von derzeit etwa zwölf Prozent noch „Luft nach oben“. Sie sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Ein Anteil von 30 Prozent Frauen in der Bundeswehr, das würde der Truppe sicher guttun.“ Über den Umgang mit Frauen in der Bundeswehr sagte sie, sie seien „noch nicht überall gleichermaßen respektiert“.

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