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„Wehrhahn-Attentäter“ : Wie ein rechtsextremer Anschlag 17 Jahre später aufgeklärt wurde

  • -Aktualisiert am

Blick auf die Düsseldorfer S-Bahn-Haltestelle Wehrhahn Bild: dpa

Viele Indizien deuteten auf Ralf S. hin, einen ehemaligen Soldaten und Militariahändler. Am Ende brachte er die Ermittler selbst auf die Spur – der mutmaßliche Wehrhahn-Attentäter soll vor einem Mitinsassen mit der Tat geprahlt haben.

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          Es war noch früh am Dienstagmorgen, als ein Spezialeinsatzkommando der Polizei in Ratingen bei Düsseldorf den 50 Jahre alten Ralf S. festnahm. Die Sicherheitsbehörden hatten den bekennenden Rechtsextremen schon seit vielen Jahren „unter Wind“, wie es in Ermittlerkreisen heißt. Seit mehr als 16 Jahren gab es den Verdacht, dass S. maßgeblich an dem verheerenden Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof „Wehrhahn“ beteiligt gewesen sein könnte. Ralf S., ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, der damals in der unmittelbaren Nähe des Tatorts einen Militaria-Laden betrieb, wurde kurz nach der Tat vorübergehend festgenommen. Doch erst jetzt liegen genügend Beweise für einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen ihn vor. „Es waren überaus schwierige Ermittlungen, weil wir auf das Zusammensetzen von Indizien angewiesen waren“, sagte der Düsseldorfer Polizeipräsident Norbert Wesseler am Mittwoch.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Bei der Detonation einer Rohrbombe am Bahnhofszugang Ackerstraße waren am frühen Nachmittag des 27. Juli 2000 zehn Personen durch den hundert Meter weit reichenden Splitterhagel zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Einer der Metallsplitter drang in den Bauch einer im fünften Monat Schwangeren ein und tötete ihr Kind. Weil es sich bei den Opfern überwiegend um jüdische Einwanderer aus Osteuropa handelt, spekulierten wenig später auch Spitzenpolitiker über einen rechtsextremen, fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat, die damals die ganze Republik erschütterte.

          Als es wenige Monate nach dem Wehrhahn-Anschlag in Düsseldorf auch noch ein Brandanschlag auf die Synagoge verübt und wieder ein rechtsextremer Hintergrund vermutet wurde, kam der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach Düsseldorf und forderte einen „Aufstand der Anständigen“. Wenig später konnten im Fall des Synagogen-Anschlags zwei arabischstämmige Jugendliche überführt und verurteilt werden.

          1500 Personen befragt, 300 Spuren verfolgt, 450 Beweisstücke eingesammelt

          In der Causa „Wehrhahn“ aber kamen die Ermittler nicht weiter, obwohl sie enormen Aufwand betrieben: 1500 Personen wurden befragt, mehr als 300 Spuren verfolgt, 450 Beweisstücke eingesammelt. So viel immerhin stand bald fest: Der Sprengsatz befand sich in einer Plastiktüte, die der Attentäter erst kurz vor der Detonation an einem Geländer befestigt hatte. Die Rohrbombe war mit TNT befüllt und, wie ein Gutachter feststellte, „mit erheblicher Sachkunde“ angefertigt worden. Aber von wem?

          Zwar sei der Tatverdacht gegen S. „nicht ausgeräumt“, Anhaltspunkte dafür, dass er über Täterwissen verfügte oder überhaupt in der Lage war, eine wie für den Anschlag benutzt Rohrbombe herzustellen oder zu besorgen, gebe es aber nicht, so die Staatsanwaltschaft damals. Jahrelang ermittelte die Sonderkommission „Ackerstraße“ in alle möglichen Richtungen. Geprüft wurden ein möglicher islamistischer Hintergrund und Verbindungen zur Russenmafia. Nach dem Auffliegen der rechtsextremen „Nationalsozialistischer Untergrunds“ (NSU) wurde dann darüber spekuliert, ob auch der Wehrhahn-Anschlag dem Terror-Trio zuzuordnen sei. Unter Beteiligung des Landeskriminalamts (LKA) wurde das Verfahren 2014 nach konkreten neuen Zeugenhinweisen eines Mitinsassen von S, der damals in der JVA Castrop-Rauxel einsaß, neu aufgerollt. S. soll mit der Tat geprahlt haben.

          Später sagten zwei weitere Zeugen aus, S., der seinerzeit in seinem Düsseldorfer Quartier mit seinem Hund regelmäßig „Streife“ lief, habe vor dem Anschlag genau eine solche Tat geplant. Schließlich gelang es den Ermittlern, die vielen belastenden Indizien zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenzuführen. Zur Gegenprüfung fertigten Spezialisten des LKA eine operative Fallanalyse an, die den Verdacht gegen S. weiter erhärtete. Demnach musste der Täter versiert im Umgang mit Sprengmitteln gewesen, mit den Routinen seiner Opfer bestens vertraut und fremdenfeindlich motiviert sein. Auch wurde er telefonüberwacht. Ein wichtiger Hinweis kam dadurch noch im vergangenen Jahr.

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