https://www.faz.net/-gpf-97fbd

Wehrhahn-Prozess : Angeklagter soll im Gefängnis mit Anschlag geprahlt haben

Bei dem Anschlag in Düsseldorf wurden zehn Menschen zum Teil schwer verletzt Bild: dpa

Er hat die festgefahrenen Ermittlungen zum Wehrhahn-Anschlag wieder ins Rollen gebracht: Am Düsseldorfer Landgericht hat ein Schlüsselzeuge in dem Verfahren gegen den mutmaßlichen Attentäter ausgesagt. Dieser habe ihm die Tat gestanden.

          Im Prozess um den Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn im Juli 2000 hat einer der zentralen Zeugen den Angeklagten Ralf S. am Donnerstag schwer belastet. Der ehemalige Mithäftling des Angeklagten sagte im Landgericht Düsseldorf, S. habe mit der Tat geprahlt, er habe geäußert: „Ich habe die Kanaken in meinem Viertel in die Luft gejagt.“ Auch habe Ralf S. davon gesprochen, mit früheren Bundeswehr-Kameraden eine Reservistengemeinschaft namens „Graue Wölfe“ gegründet zu haben.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Der bekennende Rechtsextremist Ralf S. hatte 2014 in der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe für einige Tage in Haft gesessen. Dort hätten er und S. zunächst ein freundschaftliches Verhältnis gehabt, sagte der Zeuge. Er habe den Erzählungen von Ralf S. erst nicht geglaubt und von dem lange zurückliegenden Anschlag, bei dem zehn Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden waren und eine junge Frau ihr ungeborenes Baby verloren hatte, gar nichts gewusst.

          Gleichwohl habe er dann einer JVA-Beamtin erzählt, was ihm S. berichtet hatte. Die Beamtin habe daraufhin im Internet recherchiert und ihm später gesagt, dass es tatsächlich im Juli 2000 in Düsseldorf einen Anschlag gegeben hatte, der dazu passe, sagte der Zeuge, der heute als Rettungsassistent tätig ist.

          Aus Sicht der Ermittler war die mutmaßliche Selbstbezichtigung von Ralf S. der Wendepunkt in dem Fall. Zwar war S. schon kurz nach dem Sprengstoffanschlag in Verdacht geraten, doch ließ sich das Beweispuzzle damals nicht zu einer überzeugenden Anklageschrift gegen ihn zusammenfügen. Nach der Aussage des Mithäftlings von S. nahm dann eine neue Sonderkommission die Ermittlungen auf; ihr gelang es auch, die früheren Ehefrauen und Freundinnen von S., die ihn im Jahr 2000 durch Schweigen gedeckt hatten, doch noch zum Reden zu bringen.

          Vor einem Jahr wurde der Mann dann festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51 Jahre alten Ralf S. zwölffachen Mordversuch aus Fremdenhass vor. Er habe ein Zeichen setzen wollen gegen die angeblich bevorzugte Behandlung von Zuwanderern. Bei den Opfern handelte es sich um Osteuropäer, die eine Sprachschule in der Nähe der S-Bahnstation Wehrhahn besuchten. S. bestreitet die Tat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neuer Datenmissbrauch : Facebook ist von innen faul

          Fast jede Woche kommen neue Belege für ein ruchloses Verhalten von Facebook ans Licht. Jetzt wird bekannt, dass der Konzern munter Daten mit mehr als 150 Unternehmen geteilt hat – ohne Einverständnis seiner Nutzer. Apple zeigt, wie es besser geht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.