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Wehrdienst oder Soziales : Junge Union fordert „verpflichtendes Gesellschaftsjahr“ für Alle

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Bundeswehrsoldaten 2009 bei einem feierlichen Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Bild: AP

Ein verpflichtendes Dienstjahr sei gut für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, heißt es aus der Union. Die meisten Deutschen hätten wohl nichts gegen eine Rückkehr der Wehrpflicht – vor allem die Anhänger einer bestimmten Partei.

          Nachdem CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer in der F.A.Z. eine breite Debatte über die mögliche Wiedereinführung einer Dienst- oder Wehrpflicht angekündigt hatte, findet die Idee Zustimmung. So sprach sich die Junge Union für ein „verpflichtendes Gesellschaftsjahr“ für alle Schulabgänger in Deutschland aus. Diese sollen dann selbst entscheiden, ob sie dieses in der Bundeswehr oder in einer sozialen Einrichtung absolvieren wollen. Die Forderung wird von der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union (MIT) unterstützt.

          „Wir leben in einem wunderbaren, einem wohlhabenden Land“, sagte der Vorsitzende der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, Paul Ziemiak, der „Bild am Sonntag“. „Ein Gesellschaftsjahr gibt die Möglichkeit, etwas zurückzugeben und gleichzeitig den Zusammenhalt im Land zu stärken.“ Eine Debatte darüber sei „längst überfällig“.

          „Die Stärkung der sozialen Kompetenzen“

          MIT-Chef Carsten Linnemann sagte der Zeitung: „Die Bindekräfte in der Gesellschaft erlahmen. Hält diese Entwicklung länger an, geht das an die Substanz unserer gesellschaftlichen Ordnung.“ Ein solches Jahr müsse zwei Ziele haben: „eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und die Stärkung der sozialen Kompetenzen“.

          Das Thema Rückkehr zur Wehrpflicht oder Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht spielt eine wichtige Rolle bei der Arbeit von Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer für ein neues Grundsatzprogramm der CDU. Eine Entscheidung könnte Eingang ins Programm für die Bundestagswahl 2021 finden.

          Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der „Bild am Sonntag“ zu dem Vorstoß von Junger Union und Mittelstandsvereinigung: „Ich finde den Gedanken grundsätzlich nicht falsch. Weil die Union damals die Wehrpflicht überstürzt abgeschafft hat und damit auch der Zivildienst wegfiel, fehlen in vielen sozialen Einrichtungen diese Kräfte.“ Man werde dies jetzt intensiv diskutieren und sehen, ob es eine Mehrheit in der Bevölkerung dafür gebe.

          Mehr als sieben Jahre nach der Aussetzung der Wehrpflicht spricht sich in einer Umfrage eine Mehrheit der Deutschen für eine Wiedereinführung aus. In einer am Sonntag veröffentlichten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Funke Mediengruppe befürworten 55,6 Prozent der Befragten eine Wiederaufnahme des Pflichtdienstes an der Waffe. 39,6 Prozent der Befragten antworteten hingegen ablehnend, wobei 27 Prozent „auf keinen Fall“ eine Wiedereinführung wollten und 12,6 Prozent mit „eher nein“ antworteten.

          Unterschiedliche Auffassungen gibt es der Umfrage zufolge je nach Parteienpräferenz der Befragten. Anhänger der AfD sprachen sich am deutlichsten für eine Wiederaufnahme der Wehrpflicht aus: 60,6 Prozent der AfD-Sympathisanten wollen sie „auf jeden Fall“ wiedereinführen. Bei den Grünen-Anhängern waren es dagegen 15,1 Prozent.

          Am deutlichsten gegen die Wehrpflicht sind Anhänger der Linken. 51,2 Prozent von ihnen antworteten auf die Frage „Soll Deutschland die Wehrpflicht wieder einführen?“ mit „Nein, auf keinen Fall“. Befragt wurden 5046 Personen zwischen dem 6. Mai und 4. August.

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