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Wehrbeauftragter prangert an : Bundeswehr für Führung der Nato-Speerspitze schlecht gerüstet

  • Aktualisiert am

Soldaten der Bundeswehr bei einer Präsentation im Oktober. Bild: EPA

Hans-Peter Bartels fordert vom Verteidigungsministerium eine Verbesserung der Materialbestände. Derzeit müsse die Eingreiftruppe sich das Material aus der ganzen Bundeswehr zusammenziehen. Zudem sei manches Gerät „altersschwach“.

          Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), sieht die Bundeswehr für die Führung der schnellen Nato-Eingreiftruppe nicht gut gerüstet. „Man wird den ganzen, schwerfällig gewordenen Komplex der Materialbewirtschaftung sehr stark verbessern müssen, um diese neue Aufgabe wirklich gut bewältigen zu können, ohne alles andere zu vernachlässigen“, sagte Bartels dem Bayerischen Rundfunk am Mittwoch.

          Notwendig sei es, „eine vollausgestattete Truppe auf die Beine zu stellen“. Schon 2015 habe er bei einem Truppenbesuch festgestellt, wie groß die Probleme seien – da sei die schnelle Eingreiftruppe noch in der Testphase gewesen. Die Soldaten hätten ihm damals „eine Liste mit 15.000 einzelnen Teilen“ übergeben, „die sie sich ausgeliehen hatten, um vollständig ausgerüstet sein zu können“, berichtete Bartels.

          Heute sei die Lage immer noch genauso. „Auch dieses Mal wieder musste aus der ganzen Bundeswehr das Material zusammengezogen werden“, um voll ausgerüstet zur Verfügung zu stehen. Es nütze ja nichts, zu wissen, wo das Gerät sei, „sondern man muss es dann schon dabei haben, wenn man verlegen soll“. Bartels fügte hinzu: „Das ist Gerät, das anderswo fehlt.“

          Bestände teilweise auf 70 Prozent und weniger runtergefahren

          Der Wehrbeauftragte richtete die Forderung an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Bundeswehr müsse „jetzt wieder zu hundert Prozent ausgestattet werden, also alle Verbände müssen das Gerät haben, das sie auf dem Papier eigentlich zur Verfügung haben müssten“. Tatsächlich aber seien nach der letzten Bundeswehrreform von 2011 die Bestände auf 70 Prozent, teilweise noch weit darunter, zurückgefahren worden. Zudem sei manches Gerät „alt und altersschwach, anderes ist neu und hat Kinderkrankheiten“.

          Die Bundeswehr hat am 1. Januar die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato übernommen. Die sogenannte Speerspitze (Very High Readiness Joint Task Force, VJTF) ist in ständiger Alarmbereitschaft und besteht im neuen Jahr aus rund 8000 Soldaten. Die Bundeswehr stellt etwa 4000 Soldaten bereit. Dazu kommen weitere rund tausend Soldaten aus anderen Bereichen.

          Die Speerspitze ist Teil der schon länger bestehenden Nato-Eingreiftruppe Response Force (NRF) und soll der Abschreckung Russlands dienen. Über einen Einsatz würde auf politischer Ebene seitens der Nato-Mitgliedsländer entschieden, anschließend müsste der Bundestag über eine deutsche Beteiligung befinden.

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