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Tausende Soldaten im Einsatz : Wehrbeauftragte kritisiert Corona-Amtshilfe

Soldaten der Bundeswehr unterstützen in Stralsund das Gesundheitsamt bei der Corona-Information. Bild: dpa

Dass immer noch das Militär einspringen muss, stößt bei der Wehrbeauftragten des Bundestages auf Unverständnis. Sie sieht die Bundeswehr als Lückenbüßer.

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          Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Eva Högl (SPD), sieht den anhaltenden Einsatz Tausender Soldaten in der vierten Pandemie-Welle zunehmend kritisch. In den Verbänden, die sie besuche, mehrten sich kritische Stimmen, die ihr sagten, „langsam reicht es.“ Soldaten berichteten davon, dass sie in Gesundheitsämtern als Urlaubsvertretung eingesetzt würden. Das besorge sie und sei nicht akzeptabel. Högl verwies gegenüber der F.A.Z. auf Ausbildungslücken, die aufgrund fehlender Kräfte wegen der wiederkehrenden Pandemie-Einsätze und der Hilfe bei den Hochwassern im Sommer in den Streitkräften mittlerweile entstanden seien. Die Auftragserfüllung in den Auslandseinsätze sei noch nirgendwo gefährdet, aber für Details sei nicht mehr genug Zeit, und Soldaten fühlten sich nicht mehr ausreichend vorbereitet.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Laut Angaben der Streitkräftebasis sind aktuell rund 7700 Bundeswehrangehörige in der Corona-Amtshilfe gebunden. Das Gros von ihnen kümmert sich in den Gesundheitsämtern um die Kontaktnachverfolgung (3200), arbeitet in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen (1700) oder ist in Impfeinrichtungen tätig (1600). Damit wird das verfügbare Kontingent der Bundeswehr derzeit nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft. Seit Mitte Dezember stehen bis zu 17.500 Soldatinnen und Soldaten dem Nationalen Befehlshaber, Generalleutnant Martin Schelleis, zur Verfügung, um auf die Amtshilfeanfragen zu reagieren. Zusätzlich steht noch eine Strategische Reserve aus 7.500 Soldaten binnen sieben bis 14 Tagen zur Verfügung, über deren Einsatz Generalinspekteur Eberhard Zorn entscheidet.

          Schelleis selbst hatte in seinem Tagesbefehl am 17. Dezember im Zusammenhang mit der Amtshilfe von einer „enormen Sonderbelastung“ seiner Soldaten in diesem Jahr und von einer Unterstützung gesprochen, die „wahrlich historisch“ sei. Er sei jedoch überzeugt, dass seine Soldaten die Aufgabe weiterhin erfolgreich bewältigen würden.

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