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Afghanistan-Einsatz : Wehrbeauftragte fordert mehr Trauma-Hilfe für Soldaten

Afghanische Flüchtlinge in einer Bundeswehrmaschine, die am 18.08.2021 in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gelandet ist Bild: Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa

Die Bilder aus Afghanistan wecken bei Bundeswehrsoldaten zum Teil schlimme Erinnerungen. Nach dem Sieg der Taliban hinterfragen sie den Sinn ihres Einsatzes.

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          Afghanen, die sich an Flugzeuge klammern, Massenpanik am Flughafen, Taliban auf den Straßen Kabuls: Es sind dramatische Bilder, die derzeit aus Afghanistan kommen. Besonders schlimm sind sie für Bundeswehrsoldaten, die am Hindukusch im Einsatz waren. „Viele Soldatinnen und Soldaten stellen sich erneut die Sinnfrage: Warum war ich im Einsatz, und wofür habe ich gekämpft?“, sagt die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), der F.A.Z. Sie fordert deshalb mehr Trauma-Therapien für aktive Soldaten und Afghanistan-Veteranen.

          Othmara Glas
          Volontärin

          „Was die Soldatinnen und Soldaten jetzt erleben, ob im Evakuierungseinsatz oder bei der Fluthilfe, muss ganz intensiv nachbereitet werden. Viele Erinnerungen an den Einsatz in Afghanistan kommen hoch und müssen erneut verarbeitet werden.“ Die Soldaten, die momentan im Einsatz sind, werden deshalb in der usbekischen Hauptstadt Taschkent von Psychologen und Militärseelsorgern betreut. „Wir müssen aber in der Einsatznachbereitung auch gezielte Angebote schaffen“, sagt Högl.

          Kaum Therapie-Plätze für Soldaten

          Dem schließt sich David Hallbauer vom Bund Deutscher EinsatzVeteranen (BDEV) an. „Bei uns stehen seit einigen Tagen die Telefone nicht mehr still“, berichtet er. Dass die Taliban kaum auf Widerstand gestoßen seien, lasse diejenigen, die an der jahrelangen Ausbildung der afghanischen Armee beteiligt gewesen sein, am Sinn des Einsatzes zweifeln. „Sie müssen sich vorstellen, dass manche Soldaten vier-, fünfmal unter Einsatz ihres Lebens dort im Einsatz waren.“

          Der BDEV hat 60 ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich in ganz Deutschland um traumatisierte Soldaten kümmern und innerhalb von 24 Stunden für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Einen Therapieplatz zu bekommen, sei jedoch schwierig. „Es gibt Wartezeiten zwischen einem halben und einem Jahr“, berichtet Hallbauer. Manche Therapeuten würden Bundeswehr-Angehörige sogar abweisen, weil sie, so ihre Begründung, selbst schuld an ihrem Trauma seien.

          Zwei Drittel neuer PBTS-Fälle kommen aus Afghanistan

          Laut einer Studie des Psychotraumazentrums der Bundeswehr erleiden etwa drei Prozent aller Soldaten im Einsatz eine Posttraumatische Belastungsstörung (PBTS). Nur die Hälfte davon wird diagnostiziert. Von den 213 neu registrierten Fällen im vergangenen Jahr sind zwei Drittel auf den Einsatz in Afghanistan zurückzuführen.

          Högl sagt, es gebe bei der Bundeswehr ein „exzellent“ funktionierendes Netzwerk mit breit gefächerter Unterstützung. Vor allem in den vergangenen Jahren habe sich hier viel getan. „Es gibt beispielsweise einen PTBS-Beauftragten im Verteidigungsministerium, ein Psychotraumazentrum im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin und aktuell eine Studie über pferdgestützte Therapie bei Traumafolgestörungen.“ Allerdings sieht auch sie die Notwendigkeit, die psychologische Betreuung in der Fläche sicherzustellen.

          Hallbauer kritisiert, dass die Angebote der Bundeswehr nur für aktive Truppenmitglieder gelten. „Nur wer einen Grad der Schädigung von mindestens 30 Prozent aufgrund einer Einsatzverwundung nachweisen kann, bekommt auch die Möglichkeit, im Rahmen einer Weiterverwendung die medizinische Reha über die Bundeswehr wahrzunehmen.“

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