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Hitzesommer : Die Hilferufe des Waldes

  • -Aktualisiert am

Die Bundeswehr hilft bei der Bekämpfung des Borkenkäfers, hier bei Augustusburg. Bild: dpa

Deutschlands Wälder haben schwer zu schaffen. Extreme Temperaturen und der Borkenkäfer richten große Schäden an. Die Verbände fordern eine Soforthilfe von 2,3 Milliarden Euro – um Schlimmeres zu verhindern.

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          Es klang halb literarisch, halb tröstlich, was Hans-Georg von der Marwitz am Mittwochvormittag im Saal der Bundespressekonferenz sagte: „Das Käferholz ist durchaus noch der Säge zuzuführen.“ Mit „Käferholz“ meinte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzerverbände (AGDW) jenes derzeit in großen Mengen auftauchende Holz von Bäumen, die der Borkenkäfer befallen hat. Es muss schnell aus den Wäldern entfernt werden.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Doch obwohl es nach Auskunft von Marwitz noch nutzbar ist, wenn es „beizeiten“ aus dem Wald geschafft worden ist, so hat das wenig Tröstliches. Denn die enormen Mengen von Holz, die die deutschen Wälder unter der Last von Trockenheit und Schädlingsbefall derzeit zwangsweise in den Markt drücken, sorgen für einen starken Preisverfall. Der Festmeter Holz, der früher noch 90 bis 100 Euro erbracht habe, sei heute „fast unverkäuflich“, sagte Georg Schirmbeck, der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR), an der Seite von Marwitz sitzend. Ein Festmeter ist das Raummaß für Rundhölzer, also Äste und Stämme: ein Kubikmeter ohne die Leerräume gemessen.

          Wälder gehen jeden etwas an

          Schon im vorigen Jahr hat der trockene Sommer die Waldbesitzer in Deutschland Alarm schlagen lassen. In diesem Jahr hat sich die Lage nach Auskunft von Marwitz und Schirmbeck weiter zugespitzt. Der Auftritt in Berlin war nicht der erste Hilferuf. Aber bevor sich die Waldbesitzer am Donnerstag mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zum Verbändegespräch treffen, um ihre Nöte zu schildern und zugleich den sogenannten Waldgipfel Ende September vorzubereiten, wollten sie noch einmal an die Öffentlichkeit gehen.

          Das Bild, das sie zeichneten, ist düster. Nach Angaben des DFWR ist Deutschland zu einem Drittel von Wald bedeckt, das seien 11,4 Millionen Hektar. Von diesen seien etwa 110.000 Hektar vertrocknet und allein in diesem und dem vorigen Jahr seien 70 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Weil die Trockenheit anhalte und die Ausbreitung der Schädlinge zunehme, könnten die Zahlen weiter wachsen. Betroffen sind nach Auskunft von Schirmbeck und Marwitz alle Baumarten, Nadel- wie auch Laubbäume.

          Trockene Bäume im Nationalpark Harz
          Trockene Bäume im Nationalpark Harz : Bild: dpa

          Nach Angaben der Verbände sind 48 Prozent des deutschen Waldes in privatem Besitz, Körperschaften wie Kirchen und Kommunen besitzen 19 Prozent, Bund und Länder die verbleibenden 33 Prozent. Nach Darstellung des Forstwirtschaftsrats, der sich als repräsentative Vertretung aller mit der Forstwirtschaft und dem Wald befassten Akteure versteht, steht ein Hektar Wald für drei Millionen Liter Trinkwasser, sorgt für das Filtern von 61 Tonnen Staub und Ruß, entzieht der Atmosphäre 11,2 Tonnen CO2 und bindet etwas mehr als fünf Tonnen CO2. Rund zweieinhalb Millionen Waldbesitzer leisteten, so sagten es Marwitz und Schirmbeck, einen „vielfältigen Beitrag zur Stabilität der Wälder“. Sie sprachen von einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe.

          Es hängt an der Bürokratie

          Deswegen forderten die beiden Funktionäre staatliche Unterstützung in großem Umfang. „Es werden jetzt schnelle und unbürokratische Hilfen benötigt, um die schweren Schäden zu bewältigen, die Kahlflächen aufzuforsten und die Wälder klimafit zu machen“, heißt es in einer Erklärung der beiden Verbände. Für eine schnelle Beräumung und die Wiederaufforstung der Wälder seien 2,3 Milliarden Euro erforderlich. Schirmbeck sagte, zwar werde seitens der Bundesregierung darauf verwiesen, dass 75 Millionen Euro Staatshilfe bereitstünden und nicht abflössen. Das hat seiner Meinung nach aber auch einen Grund: viel „Bürokratismus“. Auf die Frage, ob er damit sagen wolle, dass es zu kompliziert sei, die Gelder zu beantragen, sagte Schirmbeck: „So ist es!“

          Sei jüngster Zeit haben die Waldbesitzer eine starke Verbündete in der CDU. Genauer gesagt, an deren Spitze. In der Zeitschrift des AGDW „Waldwirtschaft“ wird über den Besuch der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer berichtet. Schon als Generalsekretärin habe sie ein „Spitzengespräch“ über die Waldwirtschaft zugesagt. Als Vorsitzende habe sie ihr Versprechen eingelöst. Schon wenige Tage nach ihrer Wahl im vorigen Dezember habe man sich getroffen.

          Kramp-Karrenbauer soll bei dem Treffen daran erinnert haben, dass das Thema ländlicher Raum und das „Gefühl von Heimat“ auf ihrer Zuhörtour mit 40 Gesprächen an der Parteibasis eine wichtige Rolle gespielt hätten. Die CDU-Chefin habe auf die wichtige Rolle der Waldeigentümer hingewiesen. Zitiert wird sie in dem Verbandsblatt mit einer bemerkenswerten Ankündigung: „Die Stärkung des ländlichen Raumes und die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse wie etwa die flächendeckende Verfügbarkeit von schnellem Internet auch im Wald werden eine zentrale Rolle einnehmen.“

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