https://www.faz.net/-gpf-8zgsc

Vor G 20 : Wasserwerfer-Einsatz in Hamburg

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Eine blockierte Straße räumt die Hamburger Polizei am Abend per Wasserwerfer. Woanders in der Stadt geht das Hickhack um Zeltlager weiter. Die G-20-Gegner finden neue Standorte.

          2 Min.

          Drei Tage vor dem G-20-Gipfel haben Hunderte Menschen mit verschiedenen Protestaktionen die Polizei im Dauereinsatz gehalten. Die Beamten rückten am Dienstagabend fast im Zehn-Minuten-Takt aus. Ein Mensch wurde nach Angaben einer Polizeisprecherin nach einem Flaschenwurf im Stadtteil Altona festgenommen. Am Mittwochmorgen sagte ein Sprecher der Polizei dann: „Die Stunden nach Mitternacht waren extrem ruhig.“

          Vor allem ein Menschenauflauf am Neuen Pferdemarkt im Stadtteil St. Pauli hielt die Beamten auf Trab. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot und Wasserwerfern an. Ein Polizeisprecher beschrieb die Situation als „Massenproblem“. Gegen 23.00 Uhr begann die Polizei mit dem Räumen der Straße. Hunderte Menschen waren zuvor einem Aufruf zu einem „hedonistischen Massencornern gegen G 20“ gefolgt, um auf den Straßen mit Musik und Getränken gegen den Gipfel zu demonstrieren.

          Als weiteres Zeichen des Protests hängten Aktivisten die Fassade des Schauspielhauses mit Plakaten teilweise zu. Neben dem Eingang klebten Parolen wie „Bühne frei für Isomatten“ und „Protest is not a crime“.

          Wieder Zelte entfernt

          In der Frage der Protestlager bleibt Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) hart. Trotzdem bauten die G-20-Gegner weitere Zelte auf. Doch die Polizei ging wie schon am Sonntag bei einem Protest-Camp auf der Elbhalbinsel Entenwerder vor und räumte mehrere Zelte auf einer Grünfläche im Stadtteil Altona weg.

          Unter dem Protest von Hunderten Menschen entfernten die Beamten die Zelte, in denen zum Teil noch Demonstranten saßen. „Es ist keine Versammlung, es ist wildes Campen in einem Hamburger Park“, sagte ein Polizeisprecher. Nach Schilderungen von dpa-Reportern setzte die Polizei Pfefferspray oder Reizgas ein.

          Grote sagte, es gebe zwar viele, die auch friedlich campen wollten. „Aber wir können sie nicht von potenziellen Gewalttätern trennen.“ Man wisse, dass hinter den Camps „die militante, autonome Szene“ stehe, sagte Grote im ZDF. Die habe sich vorgenommen, zum G-20-Gipfel „den größten schwarzen Block aller Zeiten“ zu organisieren. „Das wäre eine sehr schwierige Sicherheitslage in der Stadt.“

          Grote zufolge wird „der allergrößte Teil der Proteste sehr bunt, sehr vielfältig, aber friedlich sein.“ Es werde jedoch auch ein paar gewaltbereite Aktionen geben. „Dafür ist die Polizei vorbereitet.“

          Neue Zeltlager errichtet

          Die Aktivisten ließen indes keinen Zweifel daran, dass sie in der Hansestadt zelten wollen. Sie hatten gedroht, „Parks, Plätze, Flächen und Knotenpunkte“ mit vielen kleinen Camps zu besetzen, wenn die Polizei kein zentrales Zeltlager mit Übernachtungsmöglichkeiten ermöglichen sollte.

          Damit begannen sie am Dienstag nach dem Ablauf eines Ultimatums, das sie gesetzt hatten. Rund 40 Aktivisten bauten vor der St. Johanniskirche im Stadtteil Altona ein Camp mit rund 15 Schlafzelten auf. Bei der Suche nach Plätzen zum Zelten werden die G20-Gegner laut Rote-Flora-Anwalt Andreas Beuth von Kirchengemeinden unterstützt. „Es gibt viele stille Besetzungen, die im Moment noch nicht öffentlich gemacht werden. Es gibt aber, da die Kirche jetzt umgeschwenkt ist (...), auch Raum in den Kirchen und vor allem auf den Grünflächen um die Kirchen herum.“

          Größte Zelt-Aktion war eine Mahnwache von TV-Koch Ole Plogstedt und rund 150 Aktivisten. Bei dem „Sleep-In“ unter dem Motto „Schlafen gegen das Schlafverbot“ stellten die Teilnehmer im Altonaer Volkspark mehr als 30 Zelte zum „Schauschlafen“ auf. „Mich regt es tierisch auf, dass einfache Sachen wie Schlafen oder eine Gemeinschaftsverpflegung verboten werden“, sagte Plogstedt.

          Polizei: „Sind versammlungsfreundlich“

          Ein Polizeisprecher erklärte am Abend, der Aufbau von 34 Zelten sei den Aktivisten als „Symbol für die Art ihrer Versammlung“ in einem Kooperationsgespräch gestattet worden. „Die Polizei ist versammlungsfreundlich“, betonte er. Er fügte aber hinzu, dass die Polizei dass Übernachten in den Zelten nicht zulassen werde.

          Rangelei zwischen Polizisten und Campteilnehmern bei der Beschlagnahmung von Schlafzelten am Sonntag auf der Elbhalbinsel Entenwerder

          Bei Auseinandersetzungen bei einem Protest-Camp auf der Elbhalbinsel Entenwerder waren am Sonntagabend Polizei und Aktivisten aufeinandergeprallt, als die Beamten elf Zelte entfernten.

          Zum Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am Freitag und Samstag werden in Hamburg mehr als 100 000 Gegendemonstranten erwartet - darunter bis zu 8000 gewaltbereite.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spionage-Kumpan? Ein Foto des Huawei-Logos in der chinesischen Provinz Guangdong

          Papua-Neuguinea : Baute Huawei im Pazifik ein Eingangstor für Spionage?

          In einem vom chinesischen Technologiekonzern Huawei eingerichteten Datenzentrum der Regierung in Papua-Neuguinea gab es offenbar eklatante Sicherheitslücken. Fachleute in Australien gehen davon aus, dass das Absicht war.
          Swetlana Tichanowskaja

          Nach Wahl in Belarus : Tichanowskaja nach Litauen ausgereist

          Die zweite Nacht in Folge protestierten Tausende gegen den verkündeten Wahlsieg von Dauerherrscher Alexandr Lukaschenka. Das Regime reagiert mit Gewalt. Unterdessen hat Swetlana Tichanowskaja das Land verlassen.
          Wie viele Leute sich allein ins Grüne trauen, kann auch ein Gradmesser für die allgemeine Sicherheit einer Gegend sein (Symbolbild).

          Im Bikini in den Park : Dann gucken sie eben!

          Es ist heiß, und in der Wohnung ist es noch heißer. Also raus in den Park. Frauen kostet es häufiger Überwindung, sich allein im Bikini auf die grüne Wiese zu legen. Warum eigentlich? Und lohnt es sich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.