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Linke Bewegung „Aufstehen“ : „Wenn es so bleibt, wird es Wagenknecht sicher schaden“

  • -Aktualisiert am

Sahra Wagenknecht wird bei den Aktionen am Samstag krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Bild: Aufstehen.de

Die „Aufstehen“-Bewegung um Sahra Wagenknecht will am Samstag in vielen Städten demonstrieren – doch auf viel Interesse stößt sie damit bislang nicht. Protestforscher Dieter Rucht erklärt, warum „Aufstehen“ der Antrieb fehlt.

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          Herr Rucht, sechs Monate sind seit der offiziellen Vorstellung von „Aufstehen“ vergangen. Seitdem ist es recht still um die Bewegung geworden. War es das etwa schon?

          Nein, das war wohl noch nicht alles. Aber es ist schon so, dass die Bewegung nach ihrem furiosen Start jetzt mit einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten zu kämpfen hat. „Aufstehen“ muss sich zurzeit erst strukturieren: Es muss geklärt werden, wer in der Bewegung für welche Angelegenheiten zuständig ist. Daran arbeitet gerade ein sehr enger Kreis um Sahra Wagenknecht, den sie auf persönlichen Zuruf um sich versammelt hat. Dieser Kreis muss sich selbst und zusätzlich Ortsgruppen in ganz Deutschland, die sich seit dem vergangenen September gegründet haben, koordinieren. Allerdings werden sich viele Mitglieder höchstwahrscheinlich noch von der Bewegung abwenden, weil keineswegs alle der offiziell knapp 170.000 angemeldeten Personen glühende Anhänger der Bewegung sind.

          Woran liegt das?

          Diese Mischung an Menschen, die untereinander nicht vernetzt sind, zu organisieren und zu mobilisieren, ist eine äußerst schwierige Angelegenheit. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Prozess viele Anhänger abspringen werden. In den Ortsgruppen spiegelt sich das zum Teil schon wider: Während einige aus eigenem Antrieb sehr aktiv sind, fühlen sich andere alleingelassen. Ich habe Aktivisten, die die Leute in ihrer Region organisieren wollen, sagen hören, dass der enge Führungskreis um Wagenknecht für sie nicht ansprechbar ist. Die Gruppen wissen zum Teil nicht, was überhaupt von ihnen erwartet wird.

          Dieter Rucht arbeitet am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Für das Institut für Protest- und Bewegungsforschung hat er „Aufstehen“ untersucht.

          Wagenknecht ist die Mitbegründerin von „Aufstehen“. Gleichzeitig aber auch die Galionsfigur der Bewegung, wie Sie in Ihrer Untersuchung schreiben. Ist das ein Geburtsfehler?

          Ja, weil „Aufstehen“ von oben gegründet wurde. Oskar Lafontaine hat 2017 erste Andeutungen über die Gründung einer derartigen Initiative gemacht. Seine Ehefrau Sahra Wagenknecht rückte zur offiziellen Vorstellung der Bewegung in den Mittelpunkt. Bei einer klassischen Sammlungsbewegung nehmen die Initiatoren zunächst Kontakt zu schon bestehenden sozialen Bewegungen, Netzwerken und Organisationen auf. Davon gibt es eine Vielzahl in Deutschland – in der Umweltbewegung, der Frauenbewegung, der Friedensbewegung. Diese Bewegungen waren von dem Vorhaben Wagenknechts allerdings überrascht worden und blieben dementsprechend distanziert. Dieser fehlende Schulterschluss mit den existierenden Bewegungen ist kaum nachträglich zu bewältigen, weil „Aufstehen“ durch die Galionsfigur Sahra Wagenknecht eng an die Linkspartei gebunden ist. Das schreckt Menschen ab, die nichts mit Parteien zu tun haben wollen, oder anderen Parteien als der Linkspartei nahe stehen.

          Das heißt, Wagenknecht und ihr Mann Oskar Lafontaine haben politisch unklug gehandelt?

          Ja, das war ein denkbar unangemessenes Vorgehen. Umgekehrt wäre es richtig gewesen: Es hätte ein offenes Forum geben sollen, zu dem Interessierte eingeladen sind, ihre Ideen vorzutragen. Über längere Zeit würde sich dann ein Kern der Bewegung entwickeln. Wer am Ende tatsächlich an der Spitze steht, wäre zweitrangig gewesen.

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