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Sterben in der Pandemie : Das nächste Mal sah sie ihren Vater an seinem Sterbebett

Die Porträtfotos von Maria und Horst Escher vom Tag der Beerdigung auf dem Smartphone ihrer Tochter Christiane Escher. Bild: Robert Gommlich

Sechs Tage liegen zwischen dem Tod von Horst und Maria Escher. Doch für die Tochter sind es Welten. Beide starben am Coronavirus. Von ihrer Mutter konnte Christiane Escher Abschied nehmen. Ihren Vater musste sie allein lassen.

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          Wir haben Corona unseren Tribut gezollt, sagt Christiane Escher, während sie vor den zwei Erdhügeln und dem Holzkreuz steht, dem noch frischen Grab ihrer Eltern auf dem Friedhof in Stollberg im Erzgebirge. Auf dem hellen Holz stehen die Namen von Maria und Horst Escher, beerdigt am Tag vor Heiligabend, im sechzigsten Jahr ihrer Ehe. Beide hatten sich mit dem Coronavirus infiziert, sind an Covid-19 gestorben. Sechs Tage liegen zwischen dem Tod von Horst und Maria Escher. Doch für die Tochter sind es Welten.

          Sofia Dreisbach
          (fia.), Politik

          Von ihrer Mutter konnte Christiane Escher Abschied nehmen. Sie starb in ihrem Zuhause in Neuwürschnitz, die Tochter neben sich. Horst Escher dagegen musste sie allein lassen. Er starb auf der Intensivstation des Kreiskrankenhauses Stollberg. In den neun Tagen in der Klinik, den letzten seines Lebens, durfte Christiane Escher ihn nur einmal besuchen – als er im Sterben lag, schon nicht mehr mit ihr kommunizieren konnte. Jetzt, vier Monate später, sagt sie, diese Form des Abschieds sei unbarmherzig. „Der Kopf sagt einem, dass das nicht anders ging, aber das Herz sagt: Es wird immer fehlen.“

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