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Putin über ermordeten Georgier : „Sehr grausam und blutrünstig“

Putin nannte das Mordopfer in Paris „blutrünstig“. Bild: Reuters

Wladimir Putin hat den in Berlin erschossenen Georgier als „sehr grausam“ bezeichnet. Deutschland warf er vor, ihn nicht ausgeliefert zu haben. Doch laut Bundesregierung ist ein solches Ersuchen unbekannt.

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          „Sehr grausam und blutrünstig“ sei der Mann gewesen. Das hat Wladimir Putin am Montagabend in Paris über den Mann gesagt, der im August im Tiergarten in Berlin ermordet wurde: der Georgier Selimchan Changoschwili. Russland steht im Verdacht, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Denn der Täter, der einen echten Pass auf den Namen Wadim Sokolow bei sich trug, heißt höchstwahrscheinlich Wadim Krassikow und hat schon im Jahr 2013 einen Geschäftsmann in Moskau ermordet. Vieles spricht dafür, dass der Killer von Geheimdiensten, mutmaßlich dem Militärgeheimdienst GRU, angeworben und mit einer Legende versehen nach Berlin geschickt wurde, um Changoschwili zu töten. Da der Täter erst einen Tag vor der Tat aus Warschau nach Berlin kam, müssen andere das Opfer ausspioniert haben, das auf seinem wöchentlichen Weg zum Freitagsgebet in die Moschee erschossen wurde.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der russische Präsident zeigte sich erstaunlich gut informiert über das Opfer. Der Mann sei ja „seiner Nationalität nach kein Georgier“ gewesen. Changoschwili war Tschetschene, er stammte aus dem Pankisi-Tal in Georgien, wo Tschetschenen leben. Putins Aussage, dass Changoschwili im zweiten Tschetschenien-Krieg von 2000 bis 2004 kämpfte und deswegen von Russland als Terrorist eingestuft und gesucht wurde, trifft zu. Er soll als Feldkommandeur 60 Leute befehligt haben, erst unter dem berüchtigten Kommandeur Schamil Bassajew, dann unter dessen Nachfolger, dem Araber Abu Walid.

          Putin unterstellt einen Racheakt

          Putin erhob aber noch andere Anschuldigungen. So habe Changoschwili Anschläge auf die Moskauer Metro organisiert. Welche Anschläge das waren, sagte der Präsident nicht. Blutige Bombenattentate mit Dutzenden Toten auf die U-Bahn der russischen Hauptstadt gab es mehrfach, so in den Jahren 2000, 2004 und 2010. Bei einer anderen Aktion, an der er angeblich teilgenommen habe, seien von Changoschwili 98 Personen getötet worden, sagte Putin. Von einem entsprechenden Überfall im Juni 2004 in Inguschetien, einer Nachbarrepublik Tschetscheniens, hatte vor sechs Tagen die russische Agentur Interfax berichtet – unter Bezug auf eine nicht näher benannte Quelle.

          Bei den deutschen Sicherheitsbehörden ist über diese angeblichen Taten des Getöteten nichts bekannt. Wohl bekannt ist allerdings die offizielle russische Sichtweise auf den mutmaßlichen Auftragsmord, die Putin in Paris befeuerte: Das Opfer sei kein Unschuldiger gewesen, es habe schon den Richtigen getroffen. Und es lohne sich deshalb nicht, wegen des Mordes einen internationalen Skandal zu inszenieren. So jedenfalls wird die Haltung der Gesprächspartner auf der russischen Seite beschrieben, mit denen die deutschen Dienste über den Fall sprechen.

          Putin lieferte in Paris noch ein Detail dieser Version: Das Opfer stamme aus einem „Gangsterumfeld“, und „dort kann alles Mögliche passieren“. Die Aussage unterstellt, dass Changoschwili einem Racheakt in der Welt der organisierten Kriminalität zum Opfer gefallen sei.

          Doch auch dieser Spur, für die auffällige Tätowierungen von Krassikow alias Sokolow ein Indiz waren, sind die deutschen Ermittler nachgegangen. Täter und Opfer hätten sich persönlich offenbar nicht gekannt, teilte die Bundesanwaltschaft vor einer Woche mit. Und: „Bezüge der Tat zur organisierten Kriminalität oder zum Phänomenbereich des islamistischen Terrorismus liegen ebenfalls nicht vor.“ Putin behauptete in Paris zudem, Russland habe mehrmals die Auslieferung „dieses Gangsters und Mörders“ gegenüber „den deutschen Kollegen“ aufgebracht, doch sei man nicht auf Verständnis gestoßen. Ein Auslieferungsverfahren Russlands in dem Fall sei der Bundesregierung nicht bekannt, teilte das Auswärtige Amt der F.A.Z. mit.

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