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Wechsel aus Brüssel : Was Martin Schulz in der Hauptstadt werden könnte

Auf nach Berlin: Martin Schulz am Donnerstag in Brüssel Bild: Eu-EP/Sebastien PIRLET/REA/laif

Martin Schulz wechselt die Bühne. Unklar ist, welche Rolle er künftig für die SPD übernehmen wird. Mehrere Optionen sind denkbar.

          Eines muss man den deutschen Sozialdemokraten lassen: Gemessen an ihren Aussichten, den nächsten Bundeskanzler zu stellen, führen sie gerade ein ziemliches Theater auf. Das Ganze folgt nicht einmal einem Drehbuch, was zur Folge hat, dass unfreiwillig komische Szenen auf der Bühne dargeboten werden. Der eine Hauptdarsteller in dem Stück „Die K-Frage - oder: Stresstest für eine wunderbare Freundschaft“ gibt sich nach außen demonstrativ gelassen und wirbt in den eigenen Reihen für Coolness – was nicht gerade mit seinem eigenen Gemütszustand korrespondiert. Der andere erwidert Fragen nach seinen Ambitionen mit der Merkelschen Formel, das werde zu gegebener Zeit geklärt, während sein Landesverband deutlich macht, dass er die Zeit längst für gegeben hält.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Martin Schulz kommt aus Würselen bei Aachen, was er sprachlich noch weniger verbergen kann als sein Gefallen daran, derzeit mit allen erdenklichen Posten in Verbindung gebracht zu werden. Die Gegend gehört zum SPD-Bezirk Mittelrhein, der gerade mit den anderen Parteibezirken in Nordrhein-Westfalen, die offiziell Regionen heißen, an der Erstellung der Landesliste sitzt, deren aussichtsreiche Plätze unter westlichen und östlichen Westfalen sowie Nieder- und Mittelrheinern aufgeteilt werden.

          Dort wurde in den vergangenen Tagen die Unruhe immer größer: Schön, dass Schulz sich geschmeichelt fühle, Rufe aus Berlin und Brüssel intensiv prüfen zu können. Man selbst hätte nun aber gerne Klarheit: Muss man dem Mann einen Wahlkreis freihalten? Wird er Listenanführer? Läuft er dann als Vertreter des Mittelrheins oder außer Konkurrenz? Zwischen Schulz, der Landesvorsitzenden Hannelore Kraft und Norbert Römer, dem Vorsitzenden der Landtagsfraktion, habe es, heißt es in Düsseldorf, die Verabredung gegeben, sollte er sich für Berlin entscheiden – in welcher Funktion auch immer –, werde er die Liste anführen, ohne einen Wahlkreis übernehmen zu müssen oder das Konto der Mittelrheiner zu belasten.

          Um die Basis zu beruhigen, musste die Verabredung in der Landespartei kommuniziert werden – was freilich auch hieß, dass Schulz nun, offenbar früher, als ihm lieb war, öffentlich machen musste, dass er sich gegen das Europaparlament entschieden hatte. Auch in Brüssel war man inzwischen ob widersprüchlicher Signale ungeduldig geworden. Sollte Schulz seine Position in Brüssel nutzen, um die Bedingungen für seinen Wechsel nach Berlin zu bestimmen? Schulz lief Gefahr, sich zu verzocken. Und da immer noch nicht geklärt ist, in welcher Funktion er in die Bundespolitik wechselt, ist diese Gefahr auch noch nicht gebannt.

          Ähnlich wie die ursprüngliche Idee vor vier Jahren, Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten vorzuschicken, schien auch der Gabriel-Schulz-Pakt anfangs in beiderlei Interesse: Schulz wusste, dass seine Amtszeit in Brüssel mit großer Wahrscheinlichkeit auslaufen würde, auch wenn er zwischenzeitlich auf außergewöhnliche Umstände setzte, die eine abermalige Kandidatur möglich erschienen ließen. Jedenfalls suchte er nach einer alternativen Verwendung.

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