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Steudtners Freilassung : Der Coup des Gerhard Schröder

Erleichtert: Peter Steudtner kurz nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis. Bild: dpa

Peter Steudtner ist unter Mithilfe von Altkanzler Gerhard Schröder freigekommen. Aber was bedeutet das für Erdogans andere deutsche Gefangene?

          Dass der Männerfreundschaftsfreund Gerhard Schröder nicht nur mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin gut kann, sondern auch mit dessen türkischem Gegenpart Tayyip Erdogan, ist nicht allgemein bekannt. Man kennt sich noch aus Zeiten, da Erdogan und Schröder beide Regierungschefs waren. Erdogan wollte die Türkei seinerzeit noch ernsthaft in die EU führen (oder tat zumindest so), und anders als die CDU-Chefin Angela Merkel, die der Türkei nur eine „privilegierte Partnerschaft“ anbieten wollte, unterstützte Schröder dieses Ansinnen. Die beiden Männer kamen durchaus gut miteinander aus.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Erdogan besuchte Schröder sogar einmal zu einem Geburtstag und hielt eine beschwingte Rede auf den Jubilar, in der er darüber spekulierte, ob der Niedersachse sich wohl deshalb so gut gehalten habe, weil er Alkohol trinke. Als Schröder die Macht schon verloren hatte, während Erdogan die seine in der Türkei zielstrebig ausbaute, riss der Kontakt nicht ab. So nahm Schröder als Ehrengast an dem AKP-Jubiläumsparteitag im Oktober 2012 teil, auf dem Erdogan sich umfassend feiern ließ. Als ein deutscher Diplomat Schröder vor Beginn des Parteitags „viel Vergnügen“ wünschte, soll der launig erwidert haben: „Vergnügen? Erdogan wird drei Stunden reden, das wird kein Vergnügen.“ Im Jahr 2012 sorgte die deutsche Botschaft für die logistische Unterstützung und Betreuung Schröders in Ankara. Dass sich, wenn ehemalige Kanzler oder Bundespräsidenten ins Ausland reisen, die jeweiligen deutschen Botschaften um den Gast kümmern, ist allgemein üblich.

          Keine Informationen aus dem Präsidentenpalast

          Doch nun, fünf Jahre später, fand Schröders Mission in Sachen Gefangenenbefreiung komplett ohne Wissen der Botschaft statt. Die deutschen Diplomaten in Ankara erfuhren davon am Donnerstag genau wie alle anderen: aus den Medien. Auch im Auswärtigen Amt in Berlin wusste außer Sigmar Gabriel und einigen engsten Vertrauten des Ministers niemand von Schröders Engagement.

          Zwei, die sich verstehen: Tayyip Erdogan (rechts) besuchte Gerhard Schröder im Jahr 2009 an dessen 65. Geburtstag.

          Aus dem Präsidentenpalast in Ankara dringt ohnehin kaum etwa heraus, weil alle Beamten viel zu verängstigt sind, um mit Journalisten zu sprechen. Der in der türkischen Hauptstadt von gut informierten Kreisen verbreiteten Behauptung, außer Schröder setze sich auch Kanzleramtsminister Peter Altmaier schon seit geraumer Zeit als Unterhändler in intensiven Gesprächen mit dem Umfeld Erdogans für die Befreiung von deutschen politischen Gefangenen in der Türkei ein, wird von zuständigen Stellen in Deutschland zumindest nicht widersprochen.

          Prozess setzte AKP unter Druck

          Tatsache ist nun jedenfalls: Der im Juli 2017 auf der Insel Büyükada vor Istanbul verhaftete Deutsche Peter Steudtner wird Weihnachten zu Hause feiern können, weil die Verhandlungen hinter den Kulissen zum Erfolg geführt haben. „Dass es für eine baldige Freilassung Steudtners durchaus eine Chance gibt, haben seit etwa drei Wochen alle geglaubt“, sagt eine mit dem Fall befasste Person und fügt hinzu: „Allerdings wäre diese Entwicklung womöglich auch ohne eine politische Intervention eingetreten. Die Türken wollten die Sache mit Amnesty International einfach vom Hals haben.“

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