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Ankerarmee : Warum die Bundeswehr so stark auf Kooperation mit anderen setzt

Das theoretische Konzept, dem viele der multinationalen militärischen Vereinbarungen folgen, wurde noch vom Vorgänger der gegenwärtigen Verteidigungsministerin, Thomas de Maizière, entwickelt und der Nato vorgestellt. Es folgt der Idee, dass die größeren Nato-Staaten als Rahmen-Nation fungieren und ihre militärischen Kapazitäten für kleinere Länder öffnen sollten, die sich dadurch an Fähigkeiten und Ausstattungen beteiligen können, die sie alleine nicht zu betreiben im Stande sind. Umgekehrt könnten die größeren Armeen gegebenenfalls auf einige Spezialfähigkeiten verzichten, die in ausreichender Menge von kleineren Nato-Partnern vorgehalten würden.

Für die Zusammenarbeit mit Rumänien und der Tschechischen Republik liegen Absichtserklärungen vor, die am nächsten Mittwoch beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel von der deutschen Ministerin Ursula von der Leyen und ihren jeweiligen Kollegen unterzeichnet werden sollen. Damit soll die 4. Schnelle Eingreif-Brigade der tschechischen Armee der 10. Deutschen Panzerdivision in Süddeutschland beigestellt werden; die 81. Mechanisierte Brigade der Rumänen soll künftig der Division Schnelle Kräfte zugeordnet sein.

Die Zusammenarbeit soll den Austausch von Führungspersonal, vor allem aber gemeinsame Ausbildungs- und Übungszeiten umfassen, um künftig auch gemeinsame Einsatz- oder Bereitschaftszeiten für bestimmte Nato-Rollen, etwa die schnelle Eingreiftruppe der Allianz, anbieten zu können.

Effekte für Rüstungskonzerne

Ähnliche Aktivitäten betreibt die Bundeswehr seit Beginn diesen Jahres in Litauen, wo sie gemeinsam mit Niederländern, Belgiern und Norwegern den ständigen Nato-Gefechtsverband stellt, der, als eines von vier „Vorne-Präsenz“-Bataillonen die Aufgabe hat, der russischen Aggressionspolitik eine abschreckende Bereitschaft entgegenzustellen. Auch dort ist das von Deutschland geführte multinationale Bataillon in einen litauischen Brigadeverband eingegliedert; auch dort werden gemeinsame Übungspläne, Manöver und Ausbildungsmaßnahmen geplant.

Im Einsatz: Von der Leyen am Dienstag auf dem Weg nach Litauen.

Zu den Effekten dieser zahlreichen Kooperationen zählen nicht nur eine faktische Verstärkung der Schlagkraft des deutschen Heeres, sondern auch neue Absatzaussichten für deutsche oder europäische Rüstungsgüterproduzenten. Auch hier bietet Litauen ein Beispiel: die Armee des Landes hat nicht nur gebrauchte deutsche Panzerhaubitzen abgenommen (auch ein Beispiel für folgende gemeinsame Ausbildungsaktionen), sondern will auch zwei Bataillone mit den neuen deutschen Transportpanzern des Typs „Boxer“ ausstatten – jenen Radpanzern, die auch im deutschen Heer gegenwärtig eingeführt werden.

Auch die Bundeswehr soll bis zum Sommer von einer Modernisierungsentscheidung profitieren: Bis dahin soll geklärt werden, durch welche Waffensysteme die Schützenpanzer Marder ersetzt werden, die eigentlich nach 2020 noch weiter im Gebrauch der deutschen Heeresverbände bleiben sollten, die nun aber nach dem Willen der Verteidigungsministerin früher ausgemustert werden sollen. Die Entscheidung soll sich an einer Bedrohungsanalyse orientieren, also an einer Beurteilung, ob die Bundeswehr sich künftig wieder stärker auf klassische Gefechtsszenarien, oder auf schnelle, mobile Reaktionsfähigkeiten ausrichten soll.

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