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Artgerechtigkeit : Was dürfen Wölfe fressen?

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In Schleswig-Holstein gibt es nun seit März sogenannte Wolf-Präventionsgebiete. In ihnen sollen alle Herden durch Elektrozäune geschützt werden, die das Land bezahlt. Bisher waren Zäune dazu da, dass die Schafe nicht weglaufen. Rinderherden waren oft nur von Gräben umgeben. Auch andere Bundesländer beteiligen sich an der Finanzierung wolfssicherer Zäune. Die Frage ist, ob der Wolf es einsieht. Wenn er mehrfach einen 1,20 Meter hohen Zaun überspringt, darf er in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zum Abschuss freigegeben werden. Normalerweise würde ein Wolf sich am Boden geduckt erst mal an einen Zaun anschleichen, heißt es. Nach einem Stromschlag würde er Zäune dann eher meiden.

Wildbiologen empfehlen ebenfalls, Herden durch Elektrozäune zu schützen. Außerdem fordern sie, Schäfer stärker zu unterstützen und schnell zu handeln, wenn ein Wolf zugeschlagen hat. Das Problem für die Schafhalter ist derzeit vor allem die Frage, wer ihnen hilft, die kilometerlangen Zäune aufzubauen. Auch das kostet Geld und Zeit. Die Umweltminister von Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben daher einen Brief an die EU-Kommission geschrieben. Im September wird es dort ein Treffen geben, um über wolfssichere Zäune auf Deichen zu sprechen.

Soll der Wolf doch im Wald bleiben

Die Landwirte drängen außerdem darauf, dass ihre Schäden anders definiert werden. „Ernste“ Schäden soll es nun heißen und nicht wie bisher „erhebliche“ Schäden. Für den Wolf soll es schneller existentiell werden als für den Landwirt. Außerdem hoffen viele Bauern, der Wolf möge in Zukunft im Wald bleiben, jedenfalls fernab der Zivilisation. Denn Wölfe, die Nutztiere jagen, würden das auch ihren Nachkommen beibringen. Wildbiologen sind da skeptisch. Wölfe wandern nun mal und stoßen dabei nicht nur auf Rehe im Wald. Es gibt Wölfe, die von den Alpen bis in die Ukraine gelaufen sind. In einer Nacht kann ein Wolf bis zu einhundert Kilometer traben.

Bleibt noch der Streitpunkt, ob der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden soll. Bislang ist das nur in Sachsen so. Dort kam der Wolf 2012 ins Jagdrecht, allerdings mit 365 Tagen Schonzeit im Jahr. Gleichzeitig wurde den Jägern das Schießen wildernder Hunde verboten, um Verwechslungen mit einem Wolf auszuschließen. Denn die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie verbietet das Töten geschützter Arten, die in Anhang IV aufgelistet sind. Dazu gehört der Wolf. Laut Richtlinie darf der Lebensraum der hier aufgeführten Tiere nicht gestört werden, egal, wo sie sich befinden. Der deutsche Bauernverband möchte den Wolf daher lieber in Anhang V auswildern. Die hier genannten Tiere dürfen unter bestimmten Umständen „genutzt“ – also auch gejagt werden.

Immer häufiger verweisen Nutztierhalter auf den sogenannten „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfes. Dahinter steht der Wunsch, eine Population, die sich gut vermehrt, unter gewissen Bedingungen auch jagen zu dürfen. Bauernvertreter gehen nämlich weiterhin vom exponentiellen Wachstum der Wölfe aus. Naturschützer vermuten aber, dass dieses Wachstum demnächst gebremst wird. Wölfe brauchten viel Platz und würden ihre Territorien streng verteidigen. Auch hier scheint nur eines gewiss: Die Wölfe werden bleiben, der Streit auch.

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