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Artgerechtigkeit : Was dürfen Wölfe fressen?

  • -Aktualisiert am

Anders als das Halali mancher Jagdverbände vermuten lässt, ist es aber gar nicht leicht, jemanden zu finden, der den Job machen will. Es gibt vier Möglichkeiten, einen Wolf töten zu lassen. Entweder kann die Behörde einen Jäger oder eine Jagdgenossenschaft beauftragen. Sie kann auch einen „Söldner“ mit Jagdschein wählen oder die Polizei beibitten. Die müssten dann gemeinsam mit einem Biologen ausrücken, der den Wolf identifizieren kann. Als letztes Mittel gelten Schlingenfallen. Ein damit gefangener Wolf muss dann eingeschläfert werden.

Roddi, Kurti und GW924

Doch der Rodewalder Rüde ist seit Januar nicht mehr gesichtet worden. Tierschützer könnten „Roddi“ und sein Rudel vorsorglich vertrieben haben. Das Gebiet, in dem der Rüde vermutet wird, umfasst immerhin 600 Quadratkilometer. Von Monat zu Monat muss die Ausnahmegenehmigung verlängert werden. Ob nach dem neuen Gesetzentwurf das Rodewalder Rudel in Sippenhaft genommen werden könnte, ist unklar. Schließlich haben die Risse ja aufgehört.

Doch manchmal haut’s auch hin. Vor drei Jahren wurde in Niedersachsen der erste Wolf legal getötet. Offiziell hieß er MT6, manche nannten ihn „Kurti“. Er hatte sich Menschen bis auf wenige Meter genähert und einen angeleinten Hund angegriffen. Die Behörden hatten leichtes Spiel, denn das Tier trug einen Sender. Da der Wolf dann aber doch sehr scheu war, musste ein Scharfschütze der Polizei ran.

Im Januar wurde in Schleswig-Holstein unter heftigen Protesten ebenfalls ein Wolf zur Entnahme freigegeben, GW924, ein Rüde, der achtzig Nutztiere gerissen hatte, manche davon sogar trotz wolfssicherer Zäune. Es hagelte Drohungen gegen das Umweltministerium. Das hatte den Abschuss stellvertretend für Privatpersonen beantragt. Bis jetzt konnte jedoch auch der Wolf nicht geschossen werden. Nun ist auch sein Bruder, GW 900, recht umtriebig, er hat seit Januar mehr als dreißig Schafe gerissen.

Eine tragische Familiengeschichte

Dank der Genabdrücke konnte sogar die Familiengeschichte (der Wölfe) rekonstruiert werden. Die Brüder sind vor zwei Jahren mit weiteren Welpen in Dänemark auf die Welt gekommen. Das Schicksal hat es nicht gut mit ihnen gemeint: ein Bruder ist auf der Autobahn überfahren worden, ein anderer ist nach Dänemark zurückgekehrt und ein weiterer dort illegal erlegt worden. Die wildernden Brüder jedoch sind noch auf Wanderschaft, jeder für sich und einer vogelfrei. Um die Wolfsrisse zu dokumentieren, hat das Umweltministerium sogar eine Tabelle ins Netz gestellt. Sie enthält Ort, Anzahl der toten Tiere, Zaunart und den Genabdruck des Räubers. Im April sind wieder zwei Nutztiere trotz wolfssicheren Zaun gerissen worden. Der Täter war unbekannt. Bis die Genanalyse fertig ist, steht in der Tabelle erst mal HW01 für Wolf, so viel ist schon mal sicher.

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