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Rückkehr aus dem „Kalifat“ : Der lange Weg zurück

Heimatlos: Im syrischen Al-Hol-Lager leben Verwandte von IS-Mitgliedern. Bild: AFP

Seit 2013 reisten 1050 mutmaßliche IS-Anhänger nach Syrien oder in den Irak. Jetzt kommen sie wie Carla S. wieder nach Deutschland zurück. Was erwartet sie in der alten Heimat?

          3 Min.

          Carla S. konnte die Freiheit auf deutschem Boden nicht lange genießen. Am Donnerstagabend, gegen 19.30 Uhr, landete ihr Flugzeug aus der Türkei in Stuttgart. So erzählt es der Anwalt Mahmut Erdem. Die 31 Jahre alte Frau war einst ihrem Mann nach Syrien gefolgt, nun ist sie als IS-Rückkehrerin wieder in Deutschland angekommen. Bei sich hatte sie ihre drei Kinder. Noch am Flughafen wurde S. verhaftet. Der Vorwurf, so sagt es Erdem, sei Unterstützung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Nach Berichten von „Spiegel Online“ sei die Grundlage des Haftbefehls hingegen ein Verfahren wegen Kindesentziehung gegen sie. Die drei Kinder sollen bei Verwandten untergekommen sein.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Seit 2013 haben sich 1050 selbsternannte Gotteskrieger von Deutschland aus auf den Weg nach Syrien und in den Irak gemacht. Etwa 300 von ihnen sollen bereits nach Deutschland zurückgekehrt sein. Doch seit Donald Trumps Intervention hat das Thema eine neue politische Brisanz bekommen. Im Februar drohte er den Europäern per Twitter, die Islamisten, die in kurdischen Lagern sitzen, freizulassen, wenn die Heimatstaaten sie nicht zurücknehmen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums befinden sich unter den Kämpfern, die von kurdischen Milizen in Syrien festgehalten werden, 66 Erwachsene, davon 48 Frauen, die von Deutschland aus ins Kriegsgebiet aufgebrochen sind. Im Irak betreut das Auswärtige Amt acht deutsche Staatsangehörige in Haft konsularisch.

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