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Steigende Infektionszahlen : Was die Bundesländer zur Maskenpflicht an Schulen planen

Wegen steigender Infektionszahlen entschließen sich immer mehr Bundesländer in den Schulen eine Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts zu erlassen. Bild: dpa

Immer mehr Bundesländer erlassen eine Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts. Andere lehnen das bislang ab – oder überlassen die Entscheidung den Schulen. Ein Überblick.

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          Angesichts steigender Infektionszahlen entschließen sich immer mehr Länder, auch in den Schulen eine Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts zu erlassen. Schon bisher haben mehr Schulen auf dem Maskentragen in Gängen bestanden, als allgemein bekannt ist. Nur während des Unterrichts selbst kann die Maske überall abgenommen werden. Schüler, die sie unbedingt weiter tragen wollen, werden daran nicht gehindert.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          In Baden-Württemberg gilt die Maskenpflicht außerhalb der Klassenräume an allen weiterführenden Schulen, nicht jedoch an Grundschulen. In Bayern müssen auch Grundschulkinder Masken tragen. Die Maske darf erst abgenommen werden, wenn der eigene Platz im Klassenraum erreicht ist.

          An Entwicklung der Infektionszahlen angepasst

          Je nach Infektionslage kann das Maskentragen in Bayern auch im Unterricht verpflichtend werden. Das Land hat dafür einen Vier-Stufen-Plan entwickelt. Wenn der Unterricht dort am 8. September wieder beginnt, werden die Vorschriften zum Maskentragen der Entwicklung des Infektionsgeschehens in den Landkreisen oder kreisfreien Städten angepasst.

          Stufe eins des Plans greift, wenn es zu Verdachtsfällen an den Schulen kommt. Dann kann der Präsenzunterricht wieder für einzelne Klassen entfallen, bis alle Schüler und Lehrer sowie die Kontaktpersonen negativ getestet worden sind. Von Stufe zwei zwei an (mehr als 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) wird in Bayern auch im Unterricht eine Maskenpflicht eingeführt. Bei Stufe drei (mehr als 35 Infektionen pro 100.000 Einwohner) greifen wieder Regelungen zum Einhalten des Mindestabstands von eineinhalb Metern.

          Aus Platzgründen müssten dann Klassen auf mehrere Räume verteilt oder die Klassenteile wieder abwechselnd unterrichtet werden, wie das vor Beginn der Sommerferien in einigen Ländern war. Wenn es wieder mehr Corona-Fälle an eingrenzbaren Orten gibt, können Sonderregeln in Kraft treten. Bei Stufe vier müsste die gesamte Schule geschlossen und zum Onlineunterricht zurückgekehrt werden.

          Auch Berlin hat sich für eine Maskenpflicht für Schüler, Lehrer und das gesamte Schulpersonal entschieden, die allerdings nur auf Fluren, in Aufenthalts- und Gemeinschaftsräumen sowie den Toiletten gilt. In den Unterrichtsräumen und im Hort müssen die Schüler keine Masken tragen. Im Unterschied zu Berlin plant Brandenburg keine Maskenpflicht an Schulen, das kann das Bildungsministerium allerdings auch rasch ändern.

          Bremen lehnt eine Maskenpflicht ab, überlässt die Regelung aber den Schulen, wenn es enge Gänge oder Treppenhäuser gibt. Hamburg hat sich inzwischen zu einer Maskenpflicht außerhalb der Unterrichtsräume entschlossen. Die Hansestadt führt eine Maskenpflicht für alle ein, die an der Schule beschäftigt sind. Sie erlischt auch erst, wenn der Schüler seinen Platz eingenommen hat, also im Unterricht ist. In Hessen und Sachsen ist das Maskentragen in das Ermessen der Schulen gestellt. Nordrhein-Westfalen hat am Montag eine Maskenpflicht nach bayerischem Vorbild beschlossen, sie gilt für ältere Schüler an weiterführenden Schulen auch während des Unterrichts.

          Schwerin will „auf Nummer sicher gehen“

          Mecklenburg-Vorpommern, das am Montag als erstes Land in den Präsenzbetrieb der Schulen zurückgekehrt ist, hat sich am Wochenende zur Maskenpflicht entschlossen, was bisher in den Hygieneplänen nicht vorgesehen war. „Ich halte es für gut, wenn wir da auf Nummer sicher gehen“, kündigte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) an, die an diesem Dienstag einen entsprechenden Vorschlag im Kabinett unterbreiten will. Niedersachsen will Schüler, Lehrer und Schulpersonal ebenfalls verpflichten, außerhalb der Klassenräume Masken zu tragen. Überall dort, wo der Abstand von eineinhalb Metern nicht mehr eingehalten werden kann, sollen Masken getragen werden: auf Gängen, Fluren und auf dem Pausenhof. Im Unterricht gilt die Maskenpflicht ebenso wenig wie in den anderen Ländern.

          Die Maskenpflicht für Flure, Gänge, Treppenhäuser, in der Aula, beim Einkauf am Schulkiosk sowie in der Mensa hat auch Rheinland-Pfalz für die Schulen angeordnet. Im Saarland gibt es keine Maskenpflicht, dort können Schüler, Lehrer und Schulpersonal eine Maske tragen, sie müssen es aber nicht. Schleswig-Holstein, wo Schüler auf den Halligen schon seit Montag wieder unterrichtet werden und im übrigen Land am kommenden Montag die Schule beginnt, will es ebenfalls den Schülern überlassen, außerhalb der Kohorten oder Klassenverbände (etwa im Schulgebäude), eine Maske zu tragen.

          „Lehrkräften und weiteren Personen mit Betreuungs- oder Assistenzaufgaben, die in mehreren Kohorten eingesetzt sind, wird – wenn der Abstand von 1,5m unterschritten wird – empfohlen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, um Infektionsrisiken gering zu halten“, heißt es im Hygieneplan. Thüringen plant für den Schulbeginn am 31. August einen Regelbetrieb mit Mundschutz in den Schulgebäuden, nicht jedoch für den Unterricht. Dort gibt es ein Ampelsystem. Bei grün soll Regelbetrieb herrschen – mit Lüften, Händewaschen und Mundschutz. Wenn regionale Fälle auftreten, sieht Stufe gelb eine Rückkehr zum Distanzunterricht vor, Stufe rot gar eine Schulschließung.

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