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Mord an Walter Lübcke : Versteckt im braunen Sumpf

Klartext: Verfassungsschutzpräsident Haldenwang und Bundesinnenminister Seehofer am Donnerstag in Berlin Bild: Getty

Über die Hintergründe des Mordes an Walter Lübcke kommen immer mehr Details ans Licht. Noch eine Spur führt in die Tiefen des NSU-Komplexes.

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          Zum Ende der Woche vier nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wird das Bild von Stephan E., dem mutmaßlichen Täter, zunehmend klarer. Der 45 Jahre alte Rechtsextremist hat Waffen gesammelt, versteckt und zum Teil wieder verkauft. Das teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag mit. Die Ermittler hätten das Versteck gefunden und diverse Schusswaffen, darunter auch die Tatwaffe – eine Faustfeuerwaffe Kaliber 38 –, sichergestellt, sagte der Sprecher der Karlsruher Ermittlungsbehörde. Angeblich lag der Großteil der Waffen in einem Erddepot auf dem Gelände von E.s Arbeitgeber, wie „Süddeutsche Zeitung“, WDR und NDR berichten. Die Informationen über das Versteck und die Waffenkäufe stammen von Stephan E. selbst, er hatte am Dienstag ein umfangreiches Geständnis abgelegt, sieben bis acht Stunden soll die Vernehmung gedauert haben, heißt es.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.
          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Stephan E. machte dabei auch Angaben zur Herkunft der Tatwaffe: 2016 will er die Schusswaffe von Elmar J. gekauft haben. Den Kontakt zwischen beiden stellte demnach ein Mann namens Markus H. her. Beide Männer wurden am Donnerstagvormittag festgenommen, und ihre Wohnungen im Kreis Höxter und in Kassel wurden durchsucht; Haftbefehle sind beantragt. Der Generalbundesanwalt geht davon aus, dass beiden Männer die rechtsextremistische Gesinnung von Stephan E. gekannt haben. Zwar gebe es keine „greifbaren Hinweise“ dafür, dass die Beschuldigten von den konkreten Anschlagsplänen Kenntnis hatten, geschweige denn, dass sie in diese eingebunden gewesen waren. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass es die Männer billigend in Kauf genommen haben, dass der Rechtsextremist die Schusswaffe einsetzen wird, um jemanden aus politischen Motiven zu töten. Der Vorwurf lautet daher Beihilfe zum Mord.

          Anhaltspunkte dafür, dass sich E. und die beiden Männer, über die er an die Tatwaffe kam, zu einer rechtsterroristischen Vereinigung zusammengeschlossen haben, gibt es nach Angaben des Generalbundesanwalts nicht. Allerdings gehört Markus H., der den Kontakt zwischen E. und dem Waffenverkäufer Elmar J. vermittelt hat, selbst der rechtsextremen Szene an – und auch hier gibt es einen Bezug zum NSU-Komplex. Der Name von Markus H. tauchte ebenso wie der von E. in den Unterlagen des hessischen NSU-Untersuchungsausschusses auf. H. wurde nach Angaben der Linken im Hessischen Landtag ebenso wie E. als einer von mehreren gewaltbereiten Rechtsextremisten in einem Bericht des Landesamts für Verfassungsschutz aufgeführt, den die Mitglieder des Untersuchungsausschusses einsehen konnten. Er soll Anhänger der rechtsextremen Gruppierung „Freier Widerstand Kassel“ sein. Nach Informationen der ARD-Sendung „Panorama“ soll er unter dem Pseudonym „Stadtreiniger“ bereits vor mehr als zehn Jahren Hasskommentare auf den Internetseiten einer Lokalzeitung verbreitet haben.

          Nach Informationen dieser Zeitung wurde H. im Jahr 2006 als Zeuge im Kasseler Mordfall Halit Yozgat durch das Bundeskriminalamt vernommen. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass der NSU hinter Yozgats Ermordung stand. Nach Angaben von „Spiegel Online“ hat H. auf die Frage, ob er das Mordopfer gekannt habe, damals angegeben, Yozgat einmal „ganz kurz kennengelernt“ zu haben, an einer Imbissbude in Kassel. Zu seinem Alibi am Nachmittag des Mordes an Yozgat befragt, gab H. demnach an, dass er in einem Supermarkt zum Einkaufen gewesen sei und später einen Bekannten getroffen habe. Einen Tag nach der Vernehmung legten die Ermittler die Spur demnach als „erledigt“ zu den Akten. Zu seinem rechtsextremen Hintergrund wurde er den Informationen zufolge damals aber nicht vernommen. 2009 dann soll er ebenso wie E. mit rund 400 Rechtsextremen in Dortmund eine Gewerkschafts-Kundgebung angegriffen haben. Stephan E. wurde im Jahr darauf wegen Landfriedensbruchs verurteilt.

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