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Böllerverbote : Was an Silvester erlaubt ist und was nicht

Abgebrannte Böller am Morgen des Neujahrstages 2020 in Düsseldorf. Bild: dpa

In vielen Gebieten dürfen zum Jahreswechsel keine Feuerwerkskörper gezündet werden. Allein die Hauptstadt Berlin richtet dafür 56 Verbotszonen ein – die Polizeigewerkschaft spricht von „Wahnsinn“.

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          Es wird ein sehr ungewöhnlicher Jahreswechsel werden in dieser Neujahrsnacht. Denn aufgrund der Corona-Pandemie ist vieles verboten, was das Feiern zu diesem Anlass bisher ausmachte. In Berlin etwa wird die große Party am Brandenburger Tor ausfallen, zu der in den vergangenen Jahren Hunderttausende gekommen waren und die im Fernsehen übertragen wurde. Auch sonst überall im Land soll es keine großen Feiern geben, die Menschen sollen sich nicht in großen Gruppen versammeln. Auch das traditionelle Feuerwerk am Brandenburger Tor findet dieses Silvester nicht statt. Insgesamt wird es im Land viel weniger Feuerwerk und Knallerei geben als sonst – zur Freude der einen und zum Leidwesen der anderen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Denn der Verkauf von Pyrotechnik, also von Raketen und Silvesterknallern, ist vom Bundesinnenminister im ganzen Land untersagt worden. Bisher durfte Pyrotechnik vom 29. bis zum 31. Dezember verkauft werden – die Deutschen ließen sich die Knallerei jedes Jahr mehr als 100 Millionen Euro kosten. Auch der Ausschank und das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit sind an diesem Jahreswechsel untersagt, es gilt zudem ein Versammlungs- und Ansammlungsverbot.

          Das Abbrennen und Anzünden von früher gekauften Böllern sind allerdings nicht grundsätzlich verboten. Die Hauptstadt hat deshalb 56 Böllerverbotszonen ausgewiesen, in denen das Zünden von Feuerwerk in jedem Fall unterbleiben muss. Dazu gehören der Potsdamer Platz, der Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche und die Gegend um das Brandenburger Tor, aber auch Teile von Neukölln und Kreuzberg-Friedrichshain, das Märkische Viertel, die Spandauer Altstadt sowie mehrere beliebte Parks. Die Gewerkschaft der Polizei kritisierte das Vorhaben als „Wahnsinn“. Die Polizei werde Schwierigkeiten haben, die Verbote durchzusetzen, mahnte am Mittwoch Norbert Cioma, der Chef der Gewerkschaft in Berlin. „Da braucht sich niemand wundern, wenn Menschen gegen Regeln verstoßen und es zu Übergriffen auf Einsatzkräfte kommt“, sagte er. Man werde nicht jeden illegalen Böller verhindern können, sagte zuvor Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD). Doch würden 2600 Polizisten in der Silvesternacht in Berlin im Einsatz sein. Die Polizei könne zwar nicht überall sein, doch da, wo sie sei, werde sie auch „das Recht durchsetzen“, kündigte Geisel an.

          Feuerwerksregeln von Stadt zu Stadt verschieden

          Um die Einhaltung der Corona-Regeln zu überwachen, kündigt die Polizei in Baden-Württemberg verstärkt Kontrollen an. Nach Angaben des Präsidiums in Aalen werden zusätzliche Polizeikräfte unterwegs sein und vor allem öffentliche Plätze kontrollieren. Auch die Mannheimer Polizei will kontrollieren, dass sich keine Ansammlungen an Brennpunktplätzen bilden. Für alle Eventualitäten gerüstet sein will auch Nordrhein-Westfalen. Mit einem Großaufgebot von mehr als 4800 Polizisten will das einwohnerreichste Bundesland eine sichere Silvesternacht garantieren. „Für die Sicherheitsbehörden ist es ungeheuer schwer vorauszusagen, wie sich die Menschen verhalten werden“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf.

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