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Schüler fürs Klima : „Friss Tofu, du Würstchen“

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Bild: FAZ.NET

Über die Klima-Bewegung „Fridays for Future“ verschaffen sich Jugendliche Gehör und schwänzen dafür Schule. Das ist neu und ungewöhnlich. Unterstützung kommt von Angela Merkel.

          Nach der Schule setzt sich Linus Steinmetz an sein Smartphone und öffnet „Whatsapp“: Gut zwei Stunden pro Tag ist der 15 Jahre alte Schüler aus Göttingen damit beschäftigt, den bundesweiten Streik „Fridays For Future“ zu organisieren. Seit vergangenem Dezember befinden sich Steinmetz und Tausende andere Schüler in Deutschland im Streik. Ihr Protest richtet sich gegen eine Politik, die in ihren Augen zu wenig gegen den Klimawandel unternimmt. „Wir sind noch nicht müde“, sagt Steinmetz. „Vielmehr müssen wir einen Weg finden, unseren Erfolg zu kanalisieren.“

          Ein Ventil für den Ärger der Jugendlichen soll der 15. März sein. „Fridays For Future“ hat für den Tag zu einem globalen Streik von Schülern aufgerufen. Steinmetz erwartet Proteste in Australien, den Vereinigten Staaten, Uganda und auf den Fidschi-Inseln. Das Druckmittel der Schüler ist der Schulstreik – und das hat ihnen bislang große Aufmerksamkeit beschert. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwähnte die Schülerproteste auf der Münchner Sicherheitskonferenz als Beispiel dafür, wie das Internet Kampagnen erleichtere. Nur brachte sie die Bewegung in einen unglücklichen Zusammenhang mit russischer „hybrider Kriegsführung“ im Internet. Die darauffolgende Kritik an Merkel veranlasste Regierungssprecher Steffen Seibert, bei Twitter klarzustellen: „Das Engagement der Schüler für die Klimapolitik findet sie ausdrücklich gut.“

          Recht auf Demonstration im Grundgesetz verankert

          Das Recht auf Demonstration ist im Grundgesetz verankert. Für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren gilt gleichzeitig aber auch die Schulpflicht. Ein klares Signal für die Schüler in Hessen hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) jüngst im Landtag gegeben: „Die Teilnahme an Demonstrationen rechtfertigt nicht das Fernbleiben vom Unterricht“, sagte er. Das Demonstrationsrecht könne auch in der unterrichtsfreien Zeit ausgeübt werden. Eines ihrer Ziele, nämlich Aufmerksamkeit zu generieren, hätten die Schüler inzwischen auch erreicht.

          In der Bettinaschule in Frankfurt am Main sind sich Schulleitung und Schülervertretung einig, dass die versäumte Unterrichtszeit auf dem Zeugnis erscheint. „Das ist der Preis, den der Protest kostet“, sagte Direktorin Elke Schinkel FAZ.NET. Die Lehrerschaft findet es nach dem Eindruck Schinkels grundsätzlich begrüßenswert, dass sich die Schüler politisch engagieren und interessieren. Das sei ja die Aufgabe einer Schule und die Proteste seien somit „Teil des Mündigwerdens“. Doch bei aller Sympathie für die Sache wollen die Lehrer sich nicht zu sehr einbringen: „Das wäre furchtbar, wenn Lehrer oder Schulleiter die Speerspitze der Bewegung werden und den Schülern das enteignen“, sagt Schinkel. In der Frankfurter Goetheschule allerdings machen sich die Proteste nicht bemerkbar. Der Direktor Claus Wirth sagte scherzhaft, die Journalisten hätten anscheinend mehr Interesse an der Aktion als die Schüler selbst: „Die Demos sind bei uns im Haus kein Thema.“

          Über Fehlstunden schien sich am vergangenen Freitag an der Bockenheimer Warte in Frankfurt am Main, wo sich um die 500 junge Menschen zur Klima-Demo trafen, kaum ein Schüler zu sorgen. Vielmehr haben die etwa 14- bis 18-Jährigen das große Ganze im Blick. „Ich bin hier, damit auch meine Kinder später einmal Schnee sehen“, sagt die 16 Jahre alte Meryem. Robert (17) ergänzt: „Ich finde es unglaublich, dass die Politiker, die im Bundestag sitzen, vom Ausmaß des Klimawandels wissen, aber trotzdem nicht genug dagegen tun.“ Der Klimawandel wird einfach unter den Teppich gekehrt, sagt Alina.

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