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Schüler fürs Klima : „Friss Tofu, du Würstchen“

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Meryem, Robert und Alina laufen deshalb bei der Demo mit, flankiert von Polizeimotorrädern. Die Jugendlichen rufen Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ und heizen sich mit Sprüchen ein wie „What do we want? Climate Justice!“ (Was wollen wir? Klimagerechtigkeit!). Sie recken gemalte Plakate in die Sonne: ein Eisbär, der sich an die letzte Eisscholle klammert, dicht gedrängte Schweine im Maststall, bedrohte Naturlandschaften. Die Schilder zeigen Sprüche wie „Unsere Erde hat Fieber und das Fieber siegt“ und „Friss Tofu, du Würstchen“.

Dass Schüler von sich aus auf die Straßen gehen, ist ungewöhnlich. Jugendproteste seien bislang meist von Studenten getragen worden, sagt die Soziologin und Protestforscherin Sabrina Zajak. Schüler hätten sich ihnen bislang nur angeschlossen, wie etwa bei den Studentenprotesten aus den sechziger Jahren. „Bei „Fridays for Future“ ist es so, dass die Demos direkt aus den Schulen in die Breite getragen werden.“ Vereinzelt finden sich bei den Klima-Protesten auch Erwachsene wie Till Below, der am vergangenen Freitag in Frankfurt am Main bei der Demonstration mitlief. Er ist froh, dass die Generation politisches Interesse zeigt und demonstriert: „Ich habe die Hoffnung, dass sich endlich was bewegt.“ Mit der Schülerdemo zeigen die Jugendlichen, dass sie nicht „nur den Like-Button auf Social Media drücken können“, sagt die Protestforscherin Zajak.  Die Jugendlichen seien nicht unpolitisch, sondern hätten ein anderes Verständnis von politischem Engagement. Dieses äußerten sie schon längst im Alltag, wie etwa Trends für nachhaltigen Konsum zeigten.

„Nicht abschrecken lassen!“

Der Grünen-Politiker Hans Christian Ströbele, der selbst ein halbes Jahrhundert Demonstrationserfahrung hat, ist beeindruckt, dass die Jugendlichen von „Fridays for Future“ so weit und so global denken. Das sei verdienstvoll und verdiene Achtung. Doch weiß er auch, wie viel Zeit und Geduld solche Bewegungen brauchen, wenn das mediale Interesse abflaut und die erhofften Ergebnisse in der Politik ausbleiben. „Nicht abschrecken lassen“, rät Ströbele den jungen Demonstranten. Wenn dieses Jahr nichts passiert, dann vielleicht nächstes. Keine Bewegung könne ihre Höhepunkte bewahren. „Das verläuft wellenförmig. Und wie lange die Welle im Falle von „Fridays for Future“ noch ist und wie hoch sie geht, das müssen wir abwarten.“ Versiegt ist die Welle jedenfalls noch nicht, wie der vergangene Freitag gezeigt hat.

Der junge Klimaaktivist Linus Steinmetz von „Fridays for Future“ arbeitet auf den 15. März hin, den bislang wohl größten Streiktag. Elke Schinkel, die Direktorin der Bettinaschule, meint: „Bis dahin wird die Flamme noch am Köcheln sein“. Doch sie befürchtet, dass sich die Proteste danach verlaufen werden. Denn da läuft das Abitur an und die Osterferien stehen bevor. Steinmetz hingegen ist sich sicher: Er hört erst auf zu streiken, wenn die Politiker die Klimaziele von Paris umgesetzt haben.

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