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Salafisten in Deutschland : Damit niemand sagen kann, er sei nicht gewarnt worden

  • -Aktualisiert am

Anhänger eines Salafisten-Predigers in Frankfurt Bild: dpa

Immer neue Zahlen über Salafisten und ausgereiste Dschihadisten werden veröffentlicht. Wie viele es genau sind, können selbst die deutschen Sicherheitsbehörden nicht sagen. Aber sie machen sich Sorgen. Und weisen deshalb immer stärker auf die Gefahren hin.

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          Selbst geübte Mathematiker oder zumindest routinierte Protokollanten haben ihre Not, noch hinterherzukommen. Wie viele Salafisten sind gerade in Deutschland aktiv? 6000 oder schon 7000? Wie viele radikalisierte Islamisten haben das Land Richtung Syrien und Irak verlassen? 450 oder schon mehr als tausend?

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Noch am Wochenende hatte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, im Radio die Zahl der Salafisten nach oben korrigiert von mehr als 6200 auf weit über 6300. Es gibt jedoch Hinweise, dass zu dem Zeitpunkt diese Zahl schon nicht mehr aktuell war, weil es die Werte von Anfang Oktober waren. Tatsächlich sollen es jetzt schon 6700 sein.

          Aber seit dieser Mitteilung sind auch schon wieder ein paar Tage vergangen. Organisiert sein sollen sie jedenfalls in mehr als hundert salafistischen Netzwerken. Manche von diesen bestehen allerdings aus nicht mehr als zehn Personen. Angesichts solcher Steigerungsraten ist es fraglich, ob die Prognose von 7000 in Deutschland aktiven Salafisten für das Jahresende nicht auch bereits überholt ist. Immerhin sind es noch zwei Monate bis Silvester. Vor zwei Jahren waren es noch nicht einmal 4000 Salafisten, die die Sicherheitsbehörden gezählt haben.

          Ähnlich verhält es sich mit den ausreisenden Dschihadisten, jungen Männern und ebenso einigen Frauen, die entweder schon Muslime sind oder zum Islam übertreten, sich radikalisieren und versuchen, in die Kampfgebiete im Norden Syriens oder des Iraks zu gelangen. Vor gut einem Jahr schlugen etwa 170 überwiegend junge Menschen in Deutschland diesen Weg ein, der für sie selbst leicht mit dem Tod enden kann, der aber vor allem die Gefahr mit sich bringt, dass sie mit einem mörderischen Anschlagsplan zurückkehren.

          Im Lauf dieses Jahres stiegen die Zahlen, die die Behörden verkündeten, in großen Schritten. Von offizieller Seite, dem Bundesamt für Verfassungsschutz oder dem Bundesinnenministerium, werden 450 reisende Dschihadisten als gesichert gemeldet. Allerdings wird auf eine Dunkelziffer hingewiesen; sie könnte ziemlich hoch sein. Die kürzlich aufgetauchte Zahl 1800 wurde zwar in Berlin nicht bestätigt, aber die Ungewissheit wird zugegeben.

          Was sollen die ständigen Wasserstandsmeldungen, wenn sie doch nicht belastbar sind? Kürzlich trafen sich in Berlin nahezu alle, die Verantwortung für die innere Sicherheit in Deutschland tragen, Ehemalige noch dazu. Es war eine Feierstunde anlässlich des zehnten Gründungstages des „Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums“ (GTAZ). Das Ganze wirkte nicht nur wie eine Feierstunde, sondern auch wie eine Selbstvergewisserung in schwierigen Zeiten.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach zu den Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, des Bundesamtes für Verfassungsschutz, des Bundeskriminalamtes und der Bundespolizei; der Militärische Abschirmdienst und Generalbundesanwalt Harald Range waren da. Kurzum, es waren alle Behörden vertreten, mit denen es ein Islamist, der als gefährlich eingestuft wird, zu tun bekommt.

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