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Tod einer Amtstierärztin : Kampfzone Stall

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Besonders laut trommeln die Organisationen, die sich dem Tierschutz verpflichtet haben. Sie haben viele Unterstützer auf ihrer Seite, denn sie haben die Bilder. Von Schweinen mit abgebissenen Schwänzen, von toten Küken. Mit großen Kampagnen, Plakaten und Spots, bewegen sie die Herzen aller Tierfreunde. Sie beschuldigen die Landwirte, das ist nicht überraschend, nicht genug für den Schutz der Tiere zu tun. Aber nun attackieren sie auch die Tierärzte, denn die kämen ihrer Aufsichtspflicht nicht nach.

Mehr als 9000 Sauen hat der Mastbetrieb in Thiemendorf (Thüringen).
Mehr als 9000 Sauen hat der Mastbetrieb in Thiemendorf (Thüringen). : Bild: dpa

Die Nichtregierungsorganisation „Animal Angels“ veröffentlichte im Internet eine Liste mit den vollen Namen von Veterinäramtsleitern, die ihrer Meinung nach zu landwirtschaftsfreundlich sind.

„Peta“ stellt seit einigen Jahren ein Ranking auf, mit den besten und schlechtesten Veterinärämtern. Der Ton der bekannten Organisation ist scharf: „Von den 430 Veterinärbehörden in Deutschland können sie 400 vergessen. Nur 30 arbeiten so, wie es das Gesetz vorschreibt“, sagt Edmund Haferbeck, Jurist bei „Peta“. Sind die Methoden dennoch gerechtfertigt?

„Wir sehen es als Lob an, wenn man uns als radikal bezeichnet.“ „Peta“ sehen sich immer moralisch auf der richtigen Seite und andere setzen die Landwirte unter Druck und machen Stimmung. „Peta“ und Co. haben alle Tierfreunde hinter sich, die Amtstierärzte haben nur ihre Verordnungen, die sie überprüfen müssen. Es ist ein ungleicher Kampf.

Auch Anya Rackow hat diesen Druck gespürt. Es war hart für sie: Sich selbst so sehr für die Tiere einzusetzen, und dann vorgeworfen zu bekommen, Tiere zu quälen. Vielen anderen Amtstierärzten, so ist zu hören, geht es ähnlich.

Die Tierrechtsorganisationen sind zu einem bedeutenden Machtfaktor geworden. Sie haben die Arbeit der Tierärzte nicht einfacher gemacht, und auch das Verhältnis zwischen ihnen und den Landwirten leidet darunter. Dass Anya Rackow womöglich depressiv gewesen sei oder andere Probleme zum Selbstmord geführt hätten, schließt ihr Vorgesetzter aus.

Freitod als „Warn- und Mahnruf“

In der Todesanzeige, die Schöntag veröffentlichte, schreibt er von einem „Warn- und Mahnruf“, der der Freitod sei. Der Tod werfe viele Fragen auf, die die Anforderungen von Amtstierärzten beträfen. Das Landratsamt des zuständigen Main-Tauber-Kreises spricht von einem Vorfall „außerhalb des Dienstes“ und will sich konkret dazu nicht äußern.

Ist der Suizid der Amtsveterinärin ein tragischer Einzelfall oder steckt dahinter ein System?

Im Februar dieses Jahres bringt sich in Mecklenburg-Vorpommern ein Veterinäramtsleiter um. Im Havelland erschießt im Januar ein 72 Jahre alter Landwirt einen Kontrolleur mit der Schrotflinte, weil ihm 35 Kühe weggenommen werden sollten.

Und eine Amtsleiterin aus Niedersachsen, die sich vor allem im Tierschutz und der Tierseuchenbekämpfung engagierte, musste sich vor kurzem dienstunfähig schreiben lassen. Wie die meisten ihrer Kollegen war sie schon lange in ihrem Beruf tätig. Tierärzte sind Überzeugungstäter.

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