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Verbot in Grundschulen? : Zeichen zum Kopftuch

Eine Schülerin mit Kopftuch nimmt in Hamm am Unterricht in einer Schule teil. Bild: dpa

Über ein Kopftuchverbot kann man nachdenken. Schulen sollten Orte sein, in denen die individuelle Freiheit hochgehalten wird.

          Sieht man das Kopftuch als Zeichen eines politischen Islams, der mit liberalen Verfassungen unvereinbar ist – dann ist die Sache klar: In der Schule darf dafür keine Werbung gemacht werden. Mit Recht wird auch sonstige Propaganda in Klassenzimmern untersagt.

          Für Lehrkräfte gilt das ohnehin, auch unter Berücksichtigung der weiten Religionsfreiheit: Sie repräsentieren den Staat und haben neutral aufzutreten. Die kleinen Mädchen, die mit Kopftuch in die Schule geschickt werden, sind freilich keine Staatsdiener. Sie tragen, wie andere Kinder auch, letztlich die Anschauungen ihrer Eltern vor sich her, die diese als zwingend empfinden mögen.

          Nachdenken kann man über ein klares Zeichen des Staates, wie es Österreich jetzt gesetzt hat, aber schon. Verbote sind ein letztes Mittel – die man im Übrigen auch durchsetzen muss. Man muss jedenfalls die Eltern erreichen.

          Schulen sollten Orte sein, in denen die individuelle Freiheit hochgehalten, ja erst bewusst gemacht und gefördert wird; das aber innerhalb der Gemeinschaft, in der es Pflichten für jeden gibt, die Vorrang haben – zum Wohle aller.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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