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Niedrige Rate im Vergleich : Warum in Deutschland so wenig Organe gespendet werden

Organspenderate: Im europäischen Vergleich zählt Deutschland zu den Schlusslichtern. Bild: dpa

Über 1000 Menschen sind in Deutschland 2017 gestorben, weil sie kein passendes Spenderorgan erhalten haben. Gesundheitsminister Spahn will das ändern. Experten sind jedoch skeptisch.

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          Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, spitzte seine Kritik an den Plänen des Bundesgesundheitsministers besonders zu: Jens Spahn plane eine „Organabgabepflicht“, klagte Dabrock. Der evangelische Theologe wandte sich damit gegen den Vorschlag des CDU-Politikers Spahn, das gesetzliche Fundament der Organspende in Deutschland neu zu gießen. Wer hierzulande bereit ist, seine Organe im Falle seines Hirntods zu spenden, muss dem nach jetzigem Recht zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt haben. Wer sich nie dazu geäußert hat, dem kann grundsätzlich kein Organ entnommen werden. Das soll sich nach dem Willen Spahns ändern, er will stattdessen die sogenannte Widerspruchslösung einführen. Dann gälte jeder automatisch als Organspender, der einer möglichen Spende nicht ausdrücklich widersprochen hat.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Mit dem gegenwärtigen Verfahren, der sogenannten Zustimmungs- oder Entscheidungslösung, steht die Bundesrepublik in Europa beinah allein. Für die Verteilung von Spenderorganen haben sich acht Länder zur Stiftung Eurotransplant zusammengeschlossen, und neben Deutschland gilt nur noch im Mitgliedsland Niederlande die Zustimmungslösung – allerdings sind auch deren Tage bald gezählt, zum 1. Juli 2020 tritt dort die Widerspruchslösung in Kraft. Alle anderen Mitglieder von Eurotransplant – Belgien, Kroatien, Luxemburg, Österreich, Ungarn und Slowenien – regeln die Organspende bereits nach diesem Verfahren.

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