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Mit 76 Jahren : Warum Gesine Schwan für den SPD-Vorsitz kandidieren will

Gesine Schwan Bild: Matthias Lüdecke

Gesine Schwan hat über die Hälfte ihres Lebens in der SPD verbracht. Jetzt will sie mit 76 Jahren für den Vorsitz der Partei kandidieren. Was ist ihr Ansporn?

          6 Min.

          Gesine Schwan meint es ernst mit ihrer Bewerbung für den SPD-Vorsitz. Offiziell hat sie die zwar noch gar nicht abgegeben. Aber sie sagt, es liefen derzeit viele Gespräche. Und einen Partner für die Teambewerbung habe sie natürlich auch im Blick. Wen, verrät sie nicht. Nur so viel: Kevin Kühnert, der Juso-Vorsitzende, sei es jedenfalls nicht. Das habe sie im Übrigen auch nie behauptet. Sie habe Kühnert nur gelobt, er sei „fair, nachdenklich, argumentativ“. Aber in solche Worte werde dann immer gleich etwas hineininterpretiert. „Hermeneutisch interessant“, wie es die Wissenschaftlerin Schwan ausdrückt. Denn das sei ja oft so in der Politik. Das habe sich so eingeschlichen, weil Politiker sich aus Angst vor den Wählern nicht mehr trauten, klar und deutlich zu sprechen. Die Dinge klar zu benennen. Und dann folgt ein typischer Schwan-Satz: „Solcherart Kommunikation diskreditiert die Politik.“

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ein Beispiel hat sie gleich zur Hand. Wenn Politiker „auch“ sagen, dann findet sich oft gar kein Bezug, den man nach einem „auch“ erwartet, also irgendeine Form von Vergleich. Das „auch“ ist dann nur ein Füllsel, schwächt das Gesagte ab, vermeidet die Festlegung. Schwan sagt, die Kanzlerin sei da unübertroffene Meisterin. Und tatsächlich: Merkel hatte, um ein Beispiel beliebig herauszugreifen, über die „Friday for Future“-Demos gesagt: „Ich finde das auch richtig.“ Gesine Schwan will auf keinen Fall so reden. „Ich kann es mir bei meiner Position, meinem Alter, meiner Erfahrung leisten, nicht alle Dinge mitzumachen, zum Glück.“ Und in der Tat, sie ist dafür bekannt, schnörkellos zu reden. Dass ihre Partei erst einmal monatelang ohne gewählten Vorsitzenden dasteht, das nennt sie nur „peinlich und bedrückend“.

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