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Geld für Sea-Watch : Warum für Rackete spenden – und nicht für andere Projekte?

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Die Solidarität für Rackete ist groß - bei Spendern und wie hier bei einer Mahnwache vor dem italienischen Generalkonsulat in Köln Bild: dpa

Viele unterstützen die Kapitänin der „Sea-Watch 3“ mit Geld. Auch knapp vier Jahre nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise ist die Spendenbereitschaft hoch.

          Die Spendenbereitschaft für Carola Rackete ist riesig. Allein dem Aufruf der Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf folgten bis zum frühen Dienstagnachmittag rund 33.500 Spender, die mehr als 920.000 Euro für die Kapitänin der „Sea-Watch 3“ gaben. Was spenden die Deutschen für Menschen, die auf der Flucht sind?

          Um die möglichen Kosten für den Rechtsbeistand im drohenden Prozess gegen Rackete in Italien zu tragen, gab bei der Aktion der Fernsehmoderatoren bislang im Schnitt jeder Spender etwa 27,60 Euro. Sie war am Samstag unerlaubt in den Hafen von Lampedusa eingefahren und anschließend festgenommen worden. Die Durchschnitts-Spende für Flüchtlinge betrug im Jahr 2018 rund 50,50 Euro, wie aus einem Bericht des Deutschen Spendenrats hervorgeht. Allerdings wurde darin laut dem Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK, das die Umfrage gemacht hat, nicht abgefragt, für welches Flüchtlingsprojekt die jeweilige Spende gedacht war. Insgesamt hätten die Deutschen 2018 rund 394 Millionen Euro für die Hilfe von Flüchtlingen gegeben – das seien rund sieben Prozent des gesamten Spendenvolumens.

          Die UN-Flüchtlingshilfe mit Sitz in Bonn zeigt sich vergleichsweise zufrieden mit dem gegenwärtigen Spendenaufkommen für Flüchtlinge. „Die Spendenbereitschaft der Deutschen für Flüchtlinge ist insgesamt noch hoch, aber es könnte mehr sein“, sagte ein Sprecher gegenüber der F.A.Z. Es sei aber schwierig, Aufmerksamkeit für langanhaltende Konflikte wie etwa in Syrien oder in afrikanischen Ländern zu gewinnen.

          Der Sprecher wollte nicht darüber urteilen, ob die Spenden für Rackete verhältnismäßig sind. „Es ist schwierig, Spendenzwecke zu vergleichen“, sagte er. Die Seenotrettung sei derzeit „alternativlos“ und „eine gute Sache“.

          UN-Flüchtlingshilfe: Seenotrettung „alternativlos“

          Der Schirmherr der UN-Flüchtlingshilfe, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), hatte Rackete kritisiert. „Dass man Menschen, die in Seenot sind, retten muss, darüber kann man ja nicht ernsthaft diskutieren“, sagte Schäuble der „Bild“-Zeitung. Aber auch Seenotrettungsorganisationen müssten „falsche Signale vermeiden und selbstkritisch diskutieren, ob sie nicht auch das Geschäft der Schlepper befördern“.

          „Es ist sicher wichtig, darauf hinzuweisen“, sagte der Sprecher der UN-Flüchtlingshilfe dazu. Schäuble habe keine „Pauschalkritik“ geäußert. Die Frage nach einem Zusammenhang von Seenotrettungs-Aktionen und der Vorgehensweise von Schleppern müsse man stellen, „es ist aber falsch den Zusammenhang herzustellen, dass NGOs die Schlepper finanzieren“.

          Falls die „Sea-Watch 3“ beschlagnahmt bleibt, sollen die Spenden laut Sea-Watch für ein neues Schiff eingesetzt werden. Zudem will die Hilfsorganisation mit dem Geld die Gerichtskosten bestreiten. Die italienische Staatsanwaltschaft wirft Rackete unter anderem Widerstand gegen Vollzugsbeamte und Begünstigung der illegalen Einwanderung vor. An diesem Dienstag wollte der zuständige Richter in Italien über einen möglichen Haftbefehl gegen Rackete entscheiden.

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