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Moschee-Eröffnung : Erdogans Kölner Ego-Show

Inszenierte sich als religiöser und politischer Führer: Erdogan bei seiner Rede zur Eröffnung der Moschee Bild: Reuters

Erdogans Auftritt in Köln zeigt einmal mehr, was Ditib wirklich ist: der verlängerte Arm des türkischen Staates. Der Moscheeverein bot Erdogan mit Freude die Plattform, um seinen Machtanspruch deutlich zu machen. Ein Kommentar.

          Der türkische Präsident Recip Tayyip Erdogan hat die Eröffnung der Kölner Ditib-Zentralmoschee am Samstag für eine Machtdemonstration genutzt. Auf nichts und niemanden nahm die strikt erdoganhörige Ditib mit der fast ausschließlich in türkischer Sprache gehaltenen Zeremonie Rücksicht. Nicht auf Köln, das auf kaum etwas so stolz ist wie auf seine Weltoffenheit und seine legendäre Integrationskraft, nicht auf die Deutsch-Türken und auch nicht auf Erdogans Gastland.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Bundesregierung bittet im Vorfeld des Staatsbesuchs, auf eine Großveranstaltung vor Anhängern der AK-Partei zu verzichten? Das kann man leicht zusagen, wenn man damit rechnen darf, dass der Ditib, die von Erdogans Religionsbehörde namens Diyanet direkt aus Ankara gesteuert wird, wie schon in den Affären um spitzelnde Imame oder türkisch-nationalistische Predigten mal wieder eine überaus nützliche „Panne“ unterläuft.

          In den sogenannten sozialen Medien mobilisierte der Moscheeverein kurz vor knapp „versehentlich“ mehrere Tausend Erdogan-Fans zur Eröffnungsfeier. Die sollte auf diese Weise nicht, wie seit Jahren versprochen, zu einem bunten kölschen Volksfest der gelungenen Integration werden, sondern zum glatten Gegenteil. Bis zu 25.000 Erdogan-Anhänger, die seit Jahr und Tag in Deutschland leben, längst (auch) deutsche Staatsbürger sind oder sogar in Deutschland geboren wurden, sollten nach Köln kommen, um ihrem Idol in einer temporären türkischen Enklave zu huldigen, kalkulierte die Ditib. Wenn nicht die Stadt Köln die Massenveranstaltung am Freitagabend untersagte hätte.

          Köln hatte keine andere Wahl, die Polizei hatte das Ditib-Sicherheitskonzept als „völlig unzureichend“ eingestuft. Ein solches Konzept muss seit der Loveparade-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen schon bei jedem kleinen Stadtteilfest vorgelegt werden. Jeder Veranstalter weiß das. Die Ditib aber nahm es auf die leichte Schulter – sie scherte sich in ihrem Konzept weder um eine realistische Verkehrs- und Personenlenkung, noch um Fluchtwege oder Sanitätsdienste. Der Massenauflauf wäre nach Einschätzung des Polizeipräsidenten nicht nur eine Gefährdung für Erdogan, sondern für die von der Ditib erhofften Menschenmassen geworden.

          Ditib ist kein verlässlicher Partner

          Hat die Ditib nach der Ordnungsverfügung der Stadt ein Einsehen? Es scheint nicht so. Die Ditib äußerte ihr Unverständnis, konnte die Begründung nicht nachvollziehen, sieht sich als Opfer. Auch das macht deutlich: Die einst bei der Integrationsarbeit in Deutschland so geschätzte Ditib kann derzeit keine seriöse Partnerin für deutsche Behörden sein.

          Die Eröffnungszeremonie fand schließlich nur im verhältnismäßig kleinen Kreis statt, in einer von der Polizei vor dem möglichen unkontrollierten Massenzustrom abgeschirmten Hochsicherheitsbereich. Vertreter der Kölner Stadtgesellschaft oder deutsche Bundes- und Landespolitiker waren nicht dabei. Sie hätten ohnehin nur gestört.

          Die Kölner Oberbürgermeisterin, die sich wie ihre Vorgänger immer für die Ditib und die Moschee ins Zeug geworfen hat, will bei der Eröffnung sprechen? Auch dafür hatte die Ditib ein Gegenmittel: Sie hielt bei ihrer chaotischen, intransparenten Planung alle so lange hin, bis auch sämtliche deutschen Fürsprecher, die einst halfen, den zum Teil erbitterten Widerstand gegen den Bau der Großmoschee behutsam und klug zu überwinden, entsetzt und entnervt ihr Kommen abgesagt hatten. Die Ditib nahm es hin, denn es ging ihr ohnehin nur um eine Ego-Show für Erdogan.

          Erdogan inszenierte sich als Führer aller Muslime

          Ihr genialer, vom deutschen Kirchenarchitekten Peter Böhm entworfene Kuppelbau aus feinstem Sichtbeton und Glas soll für Transparenz, den Dialog der Religionen und den Aufbruch hin zu einem liberalen Euro-Islam stehen? Auch das scheint keine Rolle mehr für die Ditib zu spielen – zumal der „Chef“ schon bei seiner Ankunft in Berlin eine unmissverständlich politisch-religiöse Wegweisung gab. Demonstrativ hob Erdogan seine Hand zum Muslimbrüder-Gruß und machte damit klar: Ich stehe für einen konservativen politischen Islam. Und der Abschluss des Besuchs in Köln diente dazu Erdogans Anspruch mitten in Europa deutlich zu machen, er sei der politische und religiöse Führer aller Muslime.

          Erdogans Kölner Eröffnungszeremonie markiert auch das Ende einer viel zu lange gehegten bundesrepublikanischen Illusion: Die Ditib-Zentrale hat sich nicht, wie von deutschen Politikern aller Couleur erhofft, schrittweise vom türkischen Staat emanzipiert. Demonstrativ bestätigte Erdogan am Samstag, dass sie ihm als Machtinstrument dient, um in die türkische Diaspora in Deutschland hineinzuwirken. Das ist eine schwere Hypothek für jene der rund 900 Ditib-Moscheegemeinden hierzulande, die viel weiter sind als ihre Zentrale, die darauf drängen, das Band in die Türkei zu lockern und unabhängig zu werden.

          Ein Gutes mag der niederschmetternde Erdogan-Auftritt vielleicht aber doch haben. Am Beispiel Ditib wird überdeutlich, wie schädlich es für die Mitglieder eines religiösen Vereins ist, wenn er sich vor allem entlang nationaler, politischer und sprachlicher Kategorien definiert. Wollen Muslime in Deutschland auf Augenhöhe mit anderen Religionsgemeinschaften kommen, ist eine Umgründung nötig. Auch für gelingende Integration unabdingbar sind religiöse Gemeinschaften von Muslimen in Deutschland. Es darf nicht mehr entscheidend sein, wo Eltern, Großeltern und oft ja sogar schon Urgroßeltern herkamen. Denn es ist keine Glaubenskategorie, marokkanisch, bosnisch oder eben türkisch zu sein. Es ist eine Glaubenskategorie, muslimisch zu sein, egal woher man kommt.

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