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Wahlen in Schleswig-Holstein : Stimmungstest mit flexiblen Grünen

Aminata Toure, Vizepräsidentin des Landtages von Schleswig-Holstein, und Monika Heinold (beide Bündnis 90/Die Grünen), Finanzministerin von Schleswig-Holstein Bild: dpa

Die Grünen haben ihre Spitzenkandidatinnen für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein gewählt – aber nicht nur sie machen sie Hoffnungen auf den Sieg.

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          Monika Heinold sagt, sie habe sich so auf diesen Parteitag gefreut. Darauf, sich wiederzusehen, einen Kaffee zu trinken. Und jetzt gehe das wieder nicht, Pandemie, Distanz statt Nähe, das falle schwer. Für Heinold bedeutet dies aber auch, dass sie bei ihrer Krönung zur Spitzenkandidatin der Grünen in Schleswig-Holstein für die Landtagswahl im Mai 2022 mit wenig Applaus auskommen muss. Nur wenige Parteifreunde sind am Samstag in der Halle in Neumünster, die meisten Delegierten digital zugeschaltet. So ist es ein merkwürdiger Auftakt in einen Wahlkampf, der spannend werden dürfte. Schließlich machen sich nicht nur die Grünen Hoffnungen auf die Staatskanzlei. „Diesmal wollen wir stärkste Kraft werden“, sagt Heinold.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Schleswig-Holstein war mal so etwas wie ein Vorreiter. So sah es 2017 aus, als Daniel Günther mit seiner CDU die SPD aus der Staatskanzlei verdrängte und mit Grünen und FDP eine Jamaika-Koalition bildete. Als es wenige Monate später die drei Parteien auch auf Bundesebene versuchen wollten, war der Rat aus Kiel gefragt. Nun regiert in Berlin eine Ampelkoalition, und nicht nur die SPD in Schleswig-Holstein sieht sich so bestärkt in ihrer Hoffnung auf einen Wechsel in Kiel. Auch von den Grünen darf Günther wohl nicht allzu viel Loyalität zum bisherigen Bündnis erwarten. Und so dürfte die Landtagswahl in Schleswig-Holstein im Mai nicht nur eng für ihn werden, sondern auch ein wichtiger Stimmungstest für das neue Berliner Bündnis.

          Mit Heinold jedenfalls gehen die Grünen mit einer Kandidatin in die Wahl, die schon unter SPD-Führung das Finanzministerium geleitet hat und es nun unter CDU-Mann Günther tut. Die Zweiundsechzigjährige hat sich viel Anerkennung erworben. Allerdings fiel sie bislang nicht dadurch auf, dass sie sich in das Scheinwerferlicht gedrängt hätte, wie es in Wahlkämpfen nötig wird. Dafür haben ihr die Grünen am Samstag aber auch Aminata Touré zur Seite gestellt und auf Listenplatz zwei gewählt. Die 29 Jahre alte Touré hat es schon zu bundesweiter Aufmerksamkeit gebracht: Als erste schwarze Frau wurde sie Abgeordnete in Kiel und ist seit 2019 Vizepräsidentin des Landtages. Ein anderer, der 2018 als Nachwuchshoffnung das Landwirtschaftsministerium von Robert Habeck übernommen hatte, zieht schon weiter: Jan Philipp Albrecht soll nun der Ko-Vorsitzende der parteinahen Heinrich-Böll-Stiftung werden.

          Die Grünen geben sich selbstbewusst. Der Klimaschutz soll „Chefinnen-Sache“ werden. Zwar arbeitet die Jamaika-Koalition noch ordentlich, und auch der FDP wird nach der Wahl eine wichtige Rolle zukommen. Dass die Grünen sich aber durchaus etwas anderes vorstellen können, zeigt sich immer, wenn der Blick nach Berlin geht: wenn Touré vom Ampelvertrag als „Befreiungsschlag“ schwärmt oder wenn Heinold sagt, man wolle den Aufschwung aus Berlin im Bundesrat unterstützen, daran werde man messen, mit wem man künftig regiere. Angesprochen dürfte sich Günther bei Tourés Anmerkung fühlen, immer wieder beobachte man es, dass konservative Ministerpräsidenten für liberaler gehalten würden, als sie oder zumindest ihre Partei seien.

          Aber auch der SPD-Spitzenkandidat Thomas Losse-Müller darf sich gegrüßt fühlen – ohne dass sein Name gefallen wäre. Aber als Heinold sagt: „Mein Parteibuch ist und bleibt grün“, muss man an ihn denken: Schließlich war Losse-Müller einst Grüner und ihr Staatssekretär. Nun will er mit der SPD gewinnen, das Verhältnis zu seiner alten Chefin ist angespannt. Zumindest die letzte Umfrage sah die SPD mit 28 Prozent vorne, die CDU kam auf 21 Prozent und die Grünen auf 18. Gewählt wurden Heinold und Touré am Samstag mit 93 und 84 Prozent der Delegiertenstimmen. Im Frühjahr muss ein Präsenzparteitag die Liste noch bestätigen.

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