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Anschlag von Halle : Der Hass der Egoshooter

Rechtsradikale Gamer: Ein Profil auf der Spieleplattform Steam Bild: Screenshot F.A.Z.

Virtuelle Orden und Battlegrounds: Haben Computerspieler ein Problem mit Rechtsextremismus und der Verherrlichung von Attentätern? Eine Recherche.

          4 Min.

          Die Bezüge zu Computerspielen beim terroristischen Anschlag von Halle sind unübersehbar. Die Videoaufnahmen des Täters wirken, als stammten sie aus einem Ego-Shooter, die Sprache seines Manifests ist durchsetzt mit Begriffen aus der Gamerszene, er listet „Errungenschaften“ wie etwa das Töten von Juden auf, als seien es virtuelle Orden. Und doch übergoss die Netzgemeinde Bundesinnenminister Horst Seehofer mit Häme, als er nach den Morden in der ARD sagte, man müsse Computerspieler „stärker in den Blick nehmen“, weil viele Amokläufer und Massenmörder aus der Szene kämen.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          „Uff“, schrieb der Youtuber Gronkh auf Twitter, der sich als Gamer und Rezensent von Computerspielen einen Namen gemacht hat. Er amüsierte sich über die Vorstellung, dass sich Spieler von Fußballgames und Adventurespielen auf dem Weg in den Rechtsextremismus befinden könnten: „Setz mich gleich wieder ganz rechtsextrem an den Rechner und starte eines dieser Ausbildungs-Games für Terroristen.“ Der Youtuber Rezo ging gleich in den Nahkampf über und fragte, „wie man seinen Job immer und immer wieder so sehr verkacken“ könne wie Seehofer. Und der Satiriker Shahak Shapira teilte ein Foto von Adolf Hitler, auf dessen Gesicht eine Virtual-Reality-Brille montiert ist. Er schrieb dazu: „Auch dieser junge Mann hat sich in der Gamerszene radikalisiert.“ Oft kam der Vorwurf auf, Seehofer verharmlose den Rechtsextremismus, der doch der eigentliche Nährboden für die Morde von Halle sei. Zusammengefasst lautete die Kritik: Der Täter ist zuallererst ein Nazi, und nicht ein Zocker.

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