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Fipronil-Eier : Weder Chlorhuhn noch Eukalyptushenne

In den Niederlanden werden rund eine Millionen kontaminierte Eier vernichtet. Bild: dpa

Auch die Aufregung über diese Eier-Krise wird sich wieder legen. Und es werden weiter Massenerzeugnisse aus Holland gegessen werden. Es gäbe aber auch einen dritten Weg.

          Ei, Ei, Ei – die Aufregung über die jüngste Schweinerei in der industrialisierten Massenlebensmittelherstellung droht sogar noch der Empörung über den Diesel-Skandal den Rang abzulaufen. Eier waren in den deutschen Kühlschränken, in denen sie bis zum Ausbruch der Fipronil-Affäre noch sein durften, ja auch deutlich sichtbarer als die Feinstäube und Stickoxide im Esszimmer. Und wer will schon ein Insektizid, Dioxin, Salmonellen und was sonst schon einmal im Ei war, zu sich nehmen, wo für viele bereits das nicht vom Menschen hineingemischte Cholesterin Grund genug ist, dem Ei zu misstrauen?

          Der politische Prozess, der nun zu beobachten ist, gleicht früheren Abläufen von Lebensmittelskandalen wie ein Ei dem anderen. Warum wurde nicht strenger kontrolliert? Nicht früher alarmiert? Nicht schärfer reagiert? Es ist erstaunlich, dass noch niemand forderte, die Kanzlerin müsse wegen der Eier-Krise ihren Wanderurlaub in Südtirol abbrechen, jedenfalls aber sofort die Chargennummer ihres Frühstückseis überprüfen. Routinierte Politiker wissen freilich, dass die Aufregung sich so schnell wie möglich vielversprechenderen Themen zuwenden wird. Und die meisten Deutschen, die sich noch nicht aus tiefster Überzeugung vom Ei abgewandt haben, werden danach wieder die billigen Eier aus Holland essen und sich so wenig für die Bedingungen interessieren, unter denen diese produziert werden, wie eh und je.

          Für jene Konsumenten, die der bloße Anblick von Eiern immer noch nicht zum Würgen bringt, die diese aber weder vom Chlorhuhn noch von der Eukalyptushenne gelegt bekommen wollen, gibt es freilich einen dritten Weg: den Ausflug zu einem der noch übriggebliebenen wirklichen Bauern. Auch landwirtschaftliche Familienbetriebe, auf denen man hin und wieder noch „glückliche“ Hühner findet, leben nicht vom Bilderbuchverkauf. Auch in ihren Ställen kann es geschehen, dass Vorschriften missachtet werden. Doch herrscht dort in aller Regel schon ein anderes Verhältnis zu den Tieren als in den monströsen Hühner- und Schweinefabriken. Erzeuger und Kunden kennen sich. Werden Produkte verseucht, stehen sie am nächsten Tag nicht in ganz Deutschland oder gar ganz Europa in den Supermärkten. Und schließlich kann man auf diesen Höfen seinen Kindern auch noch zeigen, wo Eier und Chicken Nuggets wirklich herkommen.

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