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CDU-Ministerpräsident Günther : Ein Gewinner unter vielen Verlierern

Ein Gewinner unter vielen Verlierern? Daniel Günther trainiert am Start der Sportabzeichen-Tour. Bild: Picture-Alliance

Vom Asylstreit hat Daniel Günther profitiert wie kaum ein anderer. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident verteidigte die Kanzlerin – und machte sich so im ganzen Land bekannt. Das könnte ihm noch nützlich sein.

          Für Daniel Günther hat die Krise der Union viel verändert. Durchaus zu seinem Vorteil. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein verteidigte vehement den Kurs der Bundeskanzlerin. Immer wieder und auf allen Kanälen. Er schaffte es, seinen Namen weit über den Norden hinaus bekannt zu machen. Eine erstaunliche Leistung nach nur gut zwölf Monaten im Amt und in einem Bundesland von überschaubarer Bedeutung.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Auch die Bundeskanzlerin hat das wahrgenommen. Kaum hatte der Konflikt zwischen Berlin und München Fahrt aufgenommen, erhielt Günther plötzlich eine SMS. Am Abend zuvor hatte er im Fernsehen gesprochen, und Angela Merkel verteidigt. Sie lud ihn per Kurznachricht zu einem Treffen in kleiner Runde. Vorher schaute man noch gemeinsam Fußball. Es war der Sonntag, an dem Deutschland gegen Mexiko verlieren sollte. Günther kam zu dem Treffen im Deutschland-Trikot. Diese Anekdote blieb hängen. Und ebenso die Botschaft: Günther gehört jetzt zu den Wichtigen in der CDU.

          Bereit für die „Nach-Merkel-Zeit“

          Dabei ist vieles an seinem Aufstieg erstaunlich. Schon dass er überhaupt Ministerpräsident wurde. Bis wenige Monate vor der Wahl war er noch nicht einmal Spitzenkandidat. Doch als sein Vorgänger wegen schlechter Umfragewerte abtrat, griff Günther zu. Er ging als Außenseiter in die Wahl, er setzte auf landespolitische Themen. An dem Erfolg der Strategie gab es Zweifel. Doch Günther siegte – nicht zuletzt dank einer schwachen Vorstellung der SPD. Schon da sollte auch den letzten Beobachtern klargeworden sein, dass man nicht an seiner Entschlossenheit zweifeln sollte. Und nicht an seinem Ehrgeiz.

          Günther selbst gab dann noch einen Wink mit dem Zaunpfahl. In einem gemeinsamen Interview mit Jens Spahn sagte er: „Es wird irgendwann eine Nach-Merkel-Zeit geben.“ Und: „Natürlich zählen wir beide zur Führungsreserve der CDU.“ Da hätte man noch vermuten können, dass Günther versucht sein könnte, sich gegen die Kanzlerin zu profilieren. Er schlug aber einen anderen Weg ein.

          Das Interview erschien im August 2017, da war der Bundestag noch nicht gewählt und der 44 Jahre alte Günther hatte in Kiel gerade seine zweite große Herausforderung bestanden: ein Bündnis zu schmieden aus seiner CDU, der FDP und den Grünen. Dieses Bündnis war nicht nur die Grundlage, um überhaupt Ministerpräsident zu werden. Es war auch die Grundlage für seine ersten Auftritte auf der bundespolitischen Ebene: als Botschafter von „Jamaika“ in Berlin nahm er an den Koalitionsverhandlungen teil. Auch wenn Günther jetzt zur Verteidigung Angela Merkels vor die Mikrofone und Kameras trat, schwang da immer mit: Es gibt auch andere Wege zur Macht, es gibt andere Partner. Das ist vielleicht sein stärkstes Pfund.

          Rechts gestartet und links gelandet?

          Als Union, FDP und Grüne in Berlin verhandelten, war die Stimmung in Kiel aufgekratzt. Selten hatte die kleine Landeshauptstadt abseits von Skandalen so viel Aufmerksamkeit in ganz Deutschland erfahren, mehrere Landespolitiker waren bei den Verhandlungen in der Hauptstadt gefragt. Und auch wenn sie alle mehr oder weniger euphorisch für ihr Beispiel im Norden warben, war doch auch ein Hinweis als Einschränkung immer wieder mal zu hören: Im Norden gebe es eben keine CSU.

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