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Neue Corona-Maßnahmen : Die Akzeptanz steht auf dem Spiel

  • -Aktualisiert am

Polizeibeamte stehen am frühen Sonntagmorgen in München auf einem mit unzähligen Flaschen und Spraydosen übersäten Bereich am Schlachthof. Dort wurde zuvor eine illegale Rave-Party aufgelöst. Bild: dpa

Mit Beherbergungsverboten und Sperrstunden soll das Infektionsgeschehen eingedämmt werden. Doch die Maßnahmen sind nicht nur sinnlos. Sie gefährden die Akzeptanz der Corona-Politik als solcher.

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          In den kommenden Tagen und Wochen entscheidet sich in Deutschlands Großstädten und Ballungszentren nicht nur, wie sich die Corona-Infektionszahlen entwickeln. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass der Kontrollverlust an vielen Orten unmittelbar bevorsteht. Entscheiden wird sich aber auch, ob und in welchem Maß die Bevölkerung die Beschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens weiterhin mitträgt oder nicht.

          Im Frühjahr war die Akzeptanz der einschneidenden Freiheitsbeschränkungen auch deshalb so groß, weil die Bundesregierung mit guten Gründen auf den damaligen Stand wissenschaftlicher Erkenntnis mehrerer führender Virologen und Mediziner verweisen konnte. Das hat sich inzwischen geändert.

          Wissenschaftler können weder dem innerdeutschen Beherbergungsverbot für Übernachtungsgäste aus Risikogebieten noch den nächtlichen Sperrstunden in Berlin und Bremen irgendeinen Sinn abgewinnen. Ob die Regelungen vor Gericht standhalten, ist ohnedies die Frage. Denn innerdeutsche Reisen haben das Infektionsgeschehen bisher nicht befeuert.

          Infektionsherde noch sorgfältiger erkennen

          Nicht einmal im besonders gestrengen Mecklenburg-Vorpommern haben die vielen Urlauber im Sommer die Infektionsraten in die Höhe getrieben. Die nächtlichen Sperrstunden werden nur dazu führen, dass die Partys, die im öffentlichen Raum immer noch kontrollierbar waren, in Privaträume verlegt werden.

          Mehr denn je kommt es jetzt darauf an, Infektionsherde noch viel sorgfältiger zu erkennen und einzugrenzen. Das gilt für Feiern im öffentlichen wie im privaten Raum. Es gibt keinen rationalen Grund, in diesem Jahr mit vielen Hochzeitsgästen zu feiern, dasselbe gilt für Geburtstage oder Trauerfeiern. Die Großstädte müssen ihre Regeln viel engmaschiger kontrollieren und Verstöße ahnden.

          Entscheidend ist jetzt, dass jede Einschränkung zielgerichtet ist, verhältnismäßig bleibt und sorgfältig begründet wird. Andernfalls wird die ohnehin bröckelnde Disziplin während der Pandemie bald ganz erlahmt sein. Wenigstens der rationalen Erklärungen zugängliche Teil der Bevölkerung muss jetzt überzeugt werden.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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