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Bouffier und Laschet : Fast schon der Kanzlermacher

Volker Bouffier, stellvertretender CDU-Vorsitzender und hessischer Ministerpräsident, am Montag vor der hessischen Landesvertretung in Berlin Bild: dpa

Dass Armin Laschet nun Kanzlerkandidat der Union ist, hat er maßgeblich Volker Bouffier zu verdanken. Ohne den hessischen Ministerpräsidenten wäre es für den CDU-Vorsitzenden noch viel schwieriger geworden.

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          Im Drama der Kanzlerkandidatur der Union ist Volker Bouffier fast schon zum Kanzlermacher gewachsen: Gewinnt Armin Laschet die Wahl im Herbst, hat er es vor allem seinem Stellvertreter, dem hessischen Ministerpräsidenten, zu verdanken, dass er überhaupt antreten und sich gegen Markus Söder durchsetzen konnte.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Die hessische Landesvertretung in Berlin wurde neben dem Adenauer-Haus, dem Reichstagsgebäude und der Bayerischen Staatskanzlei zum wichtigsten Ort der tagelangen Beratungen. Bouffier machte daraus, obgleich er stets offen für Laschet eintrat, nicht ein Berliner Laschet-Camp, sondern eine neutrale Zone, die bis zuletzt verhindern wollte, dass die Sache in die Fraktion getragen würde.

          Nicht schon wieder Deppen der Nation

          Dort wäre, nachdem schon die Sitzung am vergangenen Dienstag für die CDU-Führung peinlich verlaufen war, die Spaltung offenbar geworden – anders als im vergleichbaren Drama von 1979, als sich der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl im Duell mit dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß vorsorglich aus der Schusslinie genommen und Ernst Albrecht vorgeschickt hatte (Bouffier wurde damals, mit 26 Jahren, gerade stellvertretender Kreisvorsitzender in seiner Geburtsstadt Gießen).

          Nach dem Treffen Bouffiers, Schäubles, Ziemiaks und Laschets mit einer CSU-Delegation in der Nacht zum Montag muss Söder klargeworden sein, dass er kurz davor stand, die Sache zu überreizen. Laschet beriet sich am anderen Morgen noch einmal mit Bouffier in der Landesvertretung, wo der bevorstehende, entscheidende Tag im Stundentakt durchgespielt worden sein dürfte.

          Am Abend, nach Söders zweitem „Ich füge mich, wenn“, war klar, wofür Laschet und Bouffier im Vorstand plädieren würden: für ein Votum über Laschet, bevor der Ruf nach der Fraktion lauter werden konnte – oder weiter auf Zeit gespielt würde, was nur in die Karten Söders spielte. Bouffier und die CDU-Oberen hätten sich fühlen müssen, wie sich laut dem Hessen kürzlich schon die Ministerpräsidenten fühlen mussten: als die „Deppen der Nation“.

          Bouffier war Laschet schon eine große Hilfe im Duell mit Friedrich Merz. Auch da versuchte er zu vermitteln, ohne mit seinen Sympathien hinterm Berg zu halten. Das galt vor allem in dem Moment, als Merz gegen das „Establishment“ gepoltert hatte. Daran werden alle drei gedacht haben, als es nun Söder war, dem Ähnliches auf den Lippen lag. Bouffier konnte man sich gut vorstellen, wie er den CSU-Vorsitzenden beiseitenimmt, an die Vorzüge der repräsentativen Demokratie erinnert und ein „Lass gut sein, Markus“ brummt.

          So etwas wirkt nur, wenn Erfahrung einschüchtern kann. Bouffier wurde vor elf Jahren zum Ministerpräsidenten gewählt. Er hat zwei Wahlen gewonnen, regierte mit der FDP und seit 2014 mit den Grünen – ausgerechnet er, der einmal das rote Tuch der hessischen Linken war. Bouffiers größte Herausforderung in Hessen? Die gleiche wie Laschets: die Grünen nicht stärkste Partei werden zu lassen.

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