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Kommentar : Eine Steilvorlage für die AfD

  • -Aktualisiert am

Hat die AfD wirklich keinen geeigneteren Kandidaten für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten als Albrecht Glaser? Statt sich einer Sachdebatte zu stellen, suhlt man sich im Opfermythos.

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          Der AfD-Kandidat für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten, Albrecht Glaser, ist wahrlich kein Heiliger. Wenn er sagt, alle Muslime seien Islamisten und der Islam keine Religion, beleidigt er Millionen von Muslimen, die Fundamentalismus ablehnen.

          Die AfD sollte schon überlegen, ob sie keinen geeigneteren Kandidaten auftreiben kann. Einerseits. Auf der anderen Seite erkennen AfD-Politiker eine Steilvorlage, wenn sie eine sehen. Glasers Ablehnung passt gut zu den üblichen Satzbausteinen der Partei: „Altparteienkartell“, „Demokratieverlust“, „Wählerbeleidigung“.

          Anstatt sich der Sachdebatte stellen zu müssen, können sie sich weiter im Opfermythos suhlen. Ihrer Basis wird das gefallen, genauso wie Glasers Ablehnung von den Anhängern der anderen bejubelt wird.

          Am Ende könnte es so kommen wie einst bei der Linken. Die schäumte, als Lothar Bisky mehrfach durchfiel – und nominierte dann Petra Pau.

          Dass sich die AfD in der Begründung ihres Anspruchs auf parlamentarische Sitten beruft, sollte vermerkt werden. Man wird sie bei anderer Gelegenheit an diese Sitten erinnern müssen.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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