https://www.faz.net/-gpf-a1pf0

Freiwillig zur Bundeswehr : Eine Schnuppertruppe für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer stellt ihre Pläne für ein Freiwilligenzeit bei der Bundeswehr vor. Bild: dpa

Seit dem Ende der Wehrpflicht hat sich das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Bundeswehr verschlechtert. Kramp-Karrenbauer hält mit einem neuen Freiwilligendienst dagegen. Das Gejammer der Kritiker sollte sie auf ihrem Weg nur bestärken.

          2 Min.

          Seit dem Ende der Wehrpflicht vor neun Jahren hat sich das Verhältnis zwischen der Gesellschaft und der Bundeswehr deutlich verschlechtert. Wenn inzwischen viele meinen, Militär an sich sei abzulehnen, und mancher die Bundeswehr als einen Haufen von Rechtsradikalen sieht, dann offenbart das eine Schieflage, welche die Grundlagen der Demokratie berührt.

          Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, sie gehört in die Mitte der Gesellschaft. Annegret Kramp-Karrenbauer hat das nun wieder zum Thema gemacht, indem sie einen neuen Freiwilligendienst bei der Armee vorgestellt hat. Das ist gut.

          Kaum war sie CDU-Vorsitzende geworden, hatte sie ja schon einen Vorstoß in Richtung einer allgemeinen Dienstpflicht gewagt. Sie hat den Gedanken seitdem immer weiter verfolgt und konnte als Verteidigungsministerin nun konkret werden. „Neuer Freiwilliger Wehrdienst im Heimatschutz“ wird das Programm heißen, geworben wird dafür mit dem Slogan „Dein Jahr für Deutschland“. Kramp-Karrenbauer hat vorsichtshalber gleich erklärt, gegen eine Wiederauflage der Wehrpflicht sei auch sie. Dafür würde es derzeit auch keine Mehrheiten geben.

          Auslandseinsätze sind ausgeschlossen

          Aber ein „Jahr für Deutschland“ geht zumindest in diese Richtung. Der eigentliche freiwillige Wehrdienst, den es sowieso gibt, wird davon nicht berührt. Es geht um sieben Monate unmittelbaren Kontakt mit der Bundeswehr. Anschließend folgt eine Zeit als Reservist. Die Bezahlung ist gut, Auslandseinsätze sind ausgeschlossen, und der Dienst soll in der Nähe vom Wohnort sein. Das soll den Einstieg erleichtern. Zum Auftakt im nächsten Jahr sind tausend Plätze vorgesehen, dann wird man sehen, wie das Programm angenommen wird.

          Vielleicht mag sich mancher in dieser „Schnupperzeit“ für eine militärische Laufbahn entscheiden, wenn er die Bundeswehr erst einmal so intensiv kennenlernt. Aber auch so dürfte ein solcher Dienst helfen, das Bild von der Bundeswehr nicht nur geradezurücken, sondern die Bundeswehr wieder stärker zurück in die Gesellschaft zu holen.

          Die Erfahrungen mit Corona haben Kramp-Karrenbauer in ihrer Idee bestärkt. In der Krise zeigte sich nicht nur, dass es gesellschaftlichen Zusammenhalt sehr wohl noch gibt. Klar wurde auch, dass für solche Situationen mehr gut ausgebildete, motivierte, vor allem aber auch wertgeschätzte Helfer gebraucht werden. Wer die Bundeswehr verachtet, dem fehlt es irgendwann auch an Achtung gegenüber anderen Helfern, der Feuerwehr, der Polizei, den Rettungsdiensten.

          Um im Fall des Falles helfen zu können

          Oft werden die Leistungen solcher Einsatzkräfte übersehen. Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr etwa kann ohne Zögern in schwierigste Lagen geschickt werden und dafür doch selten mehr erwarten als ein Schulterklopfen der Kameraden. So gesehen antwortet Kramp-Karrenbauer nicht nur auf ein Problem der Bundeswehr. Wer Heimatschutz gelernt hat, gehört zu denjenigen, die im Fall des Falles helfen können.

          Schon heißt es, die Ministerin mache wieder nur Symbolpolitik. Schon befürchten soziale Dienste, ihnen könnten die Freiwilligen ausgehen. Und die Linkspartei schäumt, weil Kramp-Karrenbauer den Begriff Heimatschutz verwendet: Das sei ein weiterer Versuch, die Bevölkerung wieder an die Präsenz von Militär im öffentlichen Raum zu gewöhnen. Derlei Gejammer sollte die Verteidigungsministerin auf ihrem Weg nur bestärken.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Belarus trotzt der Polizeigewalt

          Wieder Proteste : Belarus trotzt der Polizeigewalt

          In den vergangenen Nächten ließ Lukaschenka Proteste gegen seinen angeblichen Wahlsieg brutal niedergeschlagen, dennoch gehen auch am Mittwoch wieder Tausende auf die Straße. Nun gibt es ein zweites Todesopfer.

          Topmeldungen

           Eine Mitarbeiterin des Instituts für Infektiologie Emilio Ribas zeigt den Impfstoff gegen SARS-CoV-2 des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac.

          „Versehen“ des RKI : Das Wumms-Papier aus der Berliner Corona-Zentrale

          Impfung im Herbst – das Schicksal meint es wirklich gut mit den Deutschen, so musste man das neue Positionspapier des Robert-Koch-Instituts zur Corona-Strategie deuten. Bis der Traum ganz schnell zerplatzte.

          Wieder Proteste : Belarus trotzt der Polizeigewalt

          In den vergangenen Nächten ließ Lukaschenka Proteste gegen seinen angeblichen Wahlsieg brutal niedergeschlagen, dennoch gehen auch am Mittwoch wieder Tausende auf die Straße. Nun gibt es ein zweites Todesopfer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.