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Altkanzler : Walter Kohl: Das Thema Erbschaft ist erledigt

  • Aktualisiert am

Walter Kohl kommt zum Wohnhaus seines verstorbenen Vaters. Bild: Marcus Kaufhold

Das Erbe des verstorbenen früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl ist geregelt worden – vor Gericht. Im ZDF skizzierte Walter Kohl auch seine Vorstellung von der politischen Hinterlassenschaft des Vaters.

          Über Helmut Kohls materielles Erbe ist nach Angaben von dessen Sohn Walter noch zu Lebzeiten des Altkanzlers vor Gericht entschieden worden. „Wir haben 2016 (...) auch auf Initiative meines Bruders hin eine juristische Klärung vom Landgericht Frankenthal erwirkt“, sagte der 54-Jährige am späten Dienstagabend in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“. „Da ist alles geklärt. Das Thema Erbschaft in der Familie ist komplett erledigt.“

          Helmut Kohl war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben. Walter Kohl hatte nach eigenen Angaben aus dem Radio vom Tod des Vaters erfahren, zu dem er vorher jahrelang keinen Kontakt hatte. Für Aufsehen sorgten kurz nach dem Tod seine Besuche am Hause Kohl, in das er einmal nicht eingelassen wurde.

          Ausgrenzen, Abgrenzen, Kontrollieren

          Der ältere der beiden Kohl-Söhne machte während des gut 30-minütigen Gesprächs mit Moderator Lanz einen aufgeräumten und manchmal fröhlichen Eindruck, zeigte sich mitunter aber auch bewegt. Es seien schwierige Zeiten gewesen, aber nun gehe es ihm wieder gut, sagte er auf die Frage des Moderators. „Für mich ist wichtig, dass ich heute, zehn Wochen danach, sagen kann: Er ist tot, und dieser Tod ist okay.“ Er habe am Totenbett des Vaters in Liebe und Verbundenheit Abschied genommen und gesagt: „Papa, wir sehen uns dann irgendwo anders wieder“.

          Für Maike Kohl-Richter, die Witwe des Altkanzlers, fand er keine positiven Worte. Ausgrenzen, Abgrenzen, Kontrollieren – das sei ihre Verhaltensweise. Jeder von ihnen habe seine eigene Familie und sein eigenen Vorstellungen vom Leben. „Wir haben bis auf zwei, drei Themen nichts mehr, was uns verbindet oder wo Berührungspunkte sind. Und das ist vielleicht auch ganz gut so.“

          Mit Blick auf die Einordnung und Aufarbeitung von Kohls politischem Erbe sagte der Sohn, er wünsche sich, „dass es eine Stiftung gibt, die – ganz wichtig – neutral, objektiv ist. Die außerhalb aller Familienmitglieder ist“. Weder er, noch sein Bruder oder Maike Kohl-Richter sollten in dieser Stiftung eine Rolle spielen, „sie sollte an einem neutralen staatlichen Ort – Beispiel Bundesarchiv (...) – aufgehängt sein, sie sollte von Fachleuten, von Historikern, von kompetenten, objektiven Menschen geleitet werden“, ergänzte er. Die komplette Dokumentation solle offen und öffentlich zur Verfügung stehen – so wie bei der früheren britischen Regierungschefin Margaret Thatcher.

          „Genau das wünsche ich mir für das Vermächtnis meines Vaters – und damit natürlich auch für das Vermächtnis meiner Mutter, denn ohne meine Mutter wäre mein Vater nie der geworden, der er ist“, sagte Walter Kohl. Kohl-Richters Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner hatte im Juni die Gründung einer eigenen Stiftung für den Nachlass angekündigt.

          „Keine Auskunft“

          Walter Kohl verteidigte auch seine Entscheidung, nicht an der Beerdigung seines Vaters in Speyer teilzunehmen. Seiner Ansicht nach hätte der Vater im Familiengrab in Ludwigshafen beerdigt werden sollen, in dem unter anderem auch seine erste Frau liege, sagte Walter Kohl. Dass er in Speyer nicht dabeigewesen sei, sei „keine Absage an meinen Vater“, es sei „eine Absage an die Situation“. Er kritisierte das Grab in Speyer, das derzeit von einem grünen Metallzaun eingegrenzt ist und mit einer Videokamera überwacht wird.

          „Ich finde es unwürdig in Bezug auf meinen Vater“, sagte er. „Ich finde es aber auch ehrlich in Bezug auf die Verhaltensweise von Maike: Dieses Ausgrenzen, Abgrenzen, Kontrollieren. Das kommt sehr gut durch.“ Er selbst habe für ich entschieden: „So will ich auf keinen Fall sterben und beerdigt werden.“

          Maike Kohl-Richter warf er vor, sie sei „nicht an einem Kontakt interessiert“. Jahrelang hätten die Brüder nicht bei Kohl in Ludwighafen-Oggersheim anrufen können, sie seien immer direkt an Kohls Berliner Büro weitergeleitet worden. „Mein Bruder hat mal eine lustige Szene erlebt“, sagte Walter Kohl. „Der rief nämlich an, und dann hieß es wieder: keine Auskunft, keine Auskunft, keine Auskunft. Und dann hat mein Bruder gefragt: Sagen Sie: Können Sie mir sagen, wie viel Uhr es in Berlin ist? Antwort: Keine Auskunft“, schilderte Kohl lachend.

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