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Möglicher SPD-Chef : Walter-Borjans will derzeit keinen Kanzlerkandidaten

  • Aktualisiert am

Mag die SPD, wenn sie etwas leiser auftritt: Chef-Kandidat Norbert Walter-Borjans Bild: dpa

Norbert Walter-Borjans rät seiner Partei davon ab, derzeit einen Kanzlerkandidaten zu stellen. Darüber solle man nachdenken, wenn es der SPD wieder besser geht. Olaf Scholz sieht das anders.

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          Norbert Walter-Borjans, Kandidat auf den SPD-Vorsitz, möchte seine Partei demütiger sehen. Er rät ihr davon ab, in ihrer jetzigen Verfassung einen Kanzlerkandidaten oder eine Kanzlerkandidatin zu küren. „Ich glaube, ich würde erst mal dafür werben, dass wir einen Spitzenkandidaten aufstellen“, sagte Walter-Borjans in einem Interview mit dem „Spiegel“. Er glaube nicht, „dass wir im Augenblick an dieser Stelle wären, einen Kanzlerkandidaten aufzustellen“. Das ist ein Tabubruch. Bislang zog die SPD immer mit einem offiziellen Kanzlerkandidaten in einen Bundestagswahlkampf, kleinere Parteien dagegen treten traditionell eher mit Spitzenkandidaten an.

          Es könnte allerdings sein, dass dafür die Grünen bei der kommenden Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten stellen, aller Voraussicht nach wäre das Robert Habeck. Die Sozialdemokraten kommen in Umfragen zur Bundestagswahl derzeit nur auf 13 bis 16 Prozent, die Grünen liegen dagegen bei 21 bis 22 Prozent.

          Der frühere Finanzminister Nordrhein-Westfalens sei aber davon überzeugt, dass die SPD mit ihm und Saskia Esken an der Spitze wieder Aufschwung bekomme. Das sagte Walter-Borjans der „Rheinischen Post“. Dann sei auch eine Regierungsmehrheit mit der SPD an der Spitze wieder realistisch – und die SPD-Spitzenkandidatur „selbstverständlich eine Kanzlerkandidatur“. Esken äußerte sich. Es gehe erst einmal darum, der Partei wieder Hoffnung und Stärke zu geben, sagte sie gegenüber „tagesschau.de“. Die Sozialdemokraten benötigten derzeit keinen Vorsitzenden, der diesen als „Steigbügel für die Kanzlerkandidatur“ sähen. Der konservative Seeheimer Kreis kritisierte Walter-Borjans scharf. Sein Vorschlag sei „grober Unfug“ und „unglaublich unprofessionell“, sagte der Vorsitzende Johannes Kahrs.

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          Walter-Borjans’ Konkurrent um den SPD-Vorsitz, Vizekanzler Olaf Scholz, untermauerte im „Spiegel“ seine Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur. Erst einmal gehe es um den Parteivorsitz. „Aber natürlich erwarten die Mitglieder der SPD, erwarten die Anhänger der SPD, dass die Führung der SPD die Fähigkeit besitzt, eine solche Kandidatur auch mit sich selber durchzutragen“, so Scholz.

          Partei verfüge „über eine Menge sehr qualifizierter Köpfe“

          Walter-Borjans dagegen betonte, es müsse „nicht zwingend“ einer der Vorsitzenden als Nummer eins in den nächsten Wahlkampf ziehen. „Ich würde zumindest sagen, dass diese Partei, anders als viele glauben, über eine Menge sehr qualifizierter Köpfe verfügt, über die man dann mal gemeinsam reden müsste“, sagte er. Die Entscheidung dürfe aber nicht an den Vorsitzenden vorbeilaufen. Scholz hätte unter Walter-Borjans und Saskia Esken als SPD-Chefs aber wohl wenig Chancen auf eine Spitzenkandidatur. Walter-Borjans sagte, sollten sie beide Parteivorsitzende werden, müsse man die Frage stellen: „Gibt es eine Alternative zu dem, wer es sich zutraut, also Olaf?“ Scholz bewirbt sich im Duo mit der Brandenburgerin Klara Geywitz um den Parteivorsitz.

          Die SPD-Basis stimmt vom 19. bis zum 29. November in einer Stichwahl darüber ab, welches der beiden Bewerberduos den Vorsitz übernehmen soll. Das Ergebnis der Mitgliederbefragung ist rechtlich nicht bindend. Formal wird die künftige Parteispitze auf dem SPD-Parteitag vom 6. bis 8. Dezember in Berlin bestimmt.

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