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Waldschlößchenbrücke in Dresden eröffnet : Auch die Kleine Hufeisennase bleibt glücklich

  • -Aktualisiert am
Die Dresdner erobern ihre neue Brücke, (ehemalige) Gegner ballen nur noch verschämt die Faust in der Tasche.

Gleichwohl wurden weiterhin Argumente für und gegen den Brückenbau gesucht und gefunden. Eine Tunnel-Lösung kam ins Gespräch. Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen ließ aber ein Bürgerbegehren dazu nicht zu. Es folgte der große Auftritt der „Kleinen Hufeisennase“, einer Fledermaus, die so selten ist, dass sie kaum jemand je gesehen hat. Zu ihrem Schutz, so legte das Oberverwaltungsgericht fest, dürften während der Flugzeit der kleinen Tiere die Autos nach der Eröffnung auf der vierspurigen Brücke höchstens 30 Stundenkilometer fahren. Eine moderne Radarmessanlage wacht nun über die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Unter der Brücke soll eine Leitpflanzung, die 220.000 Euro zusätzlich gekostet hat, die kleinen Säugetiere zu ihren Schlafplätzen führen. Die Gerichtsurteile und die damit verbundenen Verzögerungen verlängerten nicht nur die Bauzeit - die Eröffnung wurde dreimal verschoben -, sie trieben auch die Kosten hoch auf etwa 180 Millionen Euro. Um weitere 12 Millionen Euro wird noch mit den ausführenden Unternehmen gestritten.

Von möglichen Staus spricht noch keiner

Im Rückblick und mit dem fertigen Bauwerk vor Augen fragen sich jetzt viele Dresdner, warum die Auseinandersetzung so scharf geführt wurde. Hätte man mehr miteinander gesprochen, wäre der Streit vermutlich nicht derart eskaliert. Selbst die Aberkennung des Welterbetitels wäre möglicherweise durch Gespräche abzuwenden gewesen. Doch Sachfragen wurden schnell zu Machtfragen. Das scheint in Dresden die Regel zu sein. Auch bei der Frage, wie Dresden der Bombennacht vom 13. Februar 1945 gedenkt. Auch dort standen sich die Auffassungen unversöhnlich gegenüber. Die politischen Lager rauften sich vor zwei Jahren erst in einem langwierigen und mühsamen Moderationsverfahren zusammen. Beim Brückenbau ist das nicht gelungen und auch gar nicht versucht worden.

Wie schwer Zusammenarbeit fällt, zeigte ein weiterer kleiner Streit vor dem Brückenfest: Oberbürgermeisterin Orosz hat - wohl in Erinnerung des jahrelangen Zwistes - eine Selbstdarstellung der Parteien auf dem Brückenfest ausgeschlossen. Das missfällt dem Dresdner Kreisverband ihrer eigenen Partei. „Ohne uns wäre die Brücke nie gebaut worden“, sagt der neugewählte Kreisvorsitzende der CDU, Christian Hartmann. Und das hätte die Partei gern zeigen wollen. Nun feiert sie „in Hör- und Sichtweite“, wie es im Demonstrationsrecht heißt, zum Brückenfest am Johannstädter Elbufer den Beginn des heißen Bundestagswahlkampfes. Das ist kaum mehr als eine Petitesse und doch ein starkes Zeichen.

Am Montag soll der Verkehr über die Brücke fließen, verspricht das Straßenverkehrsamt. Von den möglichen Staus im Norden und Süden spricht noch keiner. Denn auf der gedachten Magistrale vom nördlichen Autobahnanschluss in die Südstadt ist die Waldschlößchenbrücke ein Solitär, wenn auch kein architektonischer Glanzpunkt. Im Norden schließt zwar die Stauffenbergallee vierspurig an die Brücke an, geht aber nach einer schwierigen Kreuzung, an der nur eine Spur geradeaus führt, in eine Holperpiste über, die teilweise asphaltiert und teilweise gepflastert ist. Am Ende führt sie einspurig in Richtung Autobahn, wobei der Bundesstraße 170 noch Vorfahrt zu gewähren ist. Im Süden schließt die Brücke an die Fetscherstraße an, wo auch das Universitätsklinikum liegt. Der Übergang ist fein hergerichtet, doch die weitere Fetscherstraße wie auch der Fetscherplatz sind nicht für die Aufnahme des Verkehrsstroms ausgebaut. Der Ausbau im Norden wie im Süden wird frühestens in vier Jahren beginnen. Wenn nicht mehr an der Brücke, so können sich die Geister also künftig zumindest an der Verkehrsführung scheiden.

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