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Wahlstatistik : AfD scheiterte an der Ablehnung durch Frauen

Kann weniger Frauen überzeugen: AfD-Chef Bernd Lucke Bild: Matthias Lüdecke

Wäre es nach den Männern gegangen, wäre die „Alternative für Deutschland“ im Bundestag vertreten. Ihre Wählerschaft ist eher rechts der Mitte zu verorten. Das zeigen die Ergebnisse der „Repräsentativen Wahlstatistik“.

          Die Wählerschaft der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist eher rechts der politischen Mitte zu verorten. Zugleich zeigen die am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse der „Repräsentativen Wahlstatistik“ für die Bundestagswahl am 22. September 2013, dass sich überproportional viele Männer von der AfD angesprochen fühlen. Diese sind aber nicht nur am rechten Rand des Parteienspektrums zu finden, sondern in den neuen Ländern auch weit links der Mitte. Zwischen Ostsee und Erzgebirge schnitt die AfD im Durchschnitt deutlich besser ab als auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik. Im früheren Bundesgebiet einschließlich Berlin-West entfielen am 22. September 4,5 Prozent der Zweitstimmen auf die AfD, in den neuen Ländern und Berlin-Ost kam die Partei auf 5,9 Prozent. Insgesamt ergab sich ein Zweitstimmenanteil von 4,7 Prozent.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Wäre es allein nach den Männern gegangen, wäre die AfD heute im Deutschen Bundestag vertreten. Diese wählten im Westen zu 5,5 Prozent die AfD, im Osten zu 7,1 Prozent. Indes fühlten sich Frauen nur zu 3,4 Prozent (West) beziehungsweise 4,7 Prozent (Ost) angesprochen. Ungewöhnlich ist ein solcher Unterschied zwischen den Geschlechtern nicht. So betrug die Differenz zwischen Männer- und Frauenanteilen am 22. September bei der von Bundeskanzlerin Merkel geführten CDU mehr als fünf Punkte, bei der CSU nur 0,4 Punkte. Im Fall der AfD allerdings führte das unterschiedliche Wahlverhalten von Männern und Frauen zum Scheitern an der Fünfprozenthürde.

          Eingeschränkte Aussagekraft für AfD?

          Rückschlüsse auf die Verortung der Wählerschaft von Parteien lassen sich im Rahmen der Wahlstatistik nur daraus ziehen, wie sich Erst- und Zweitstimmen verteilen. Demnach gab in Deutschland etwa jeder fünfte AfD-Wähler seine Erststimme einem Kandidaten der Unionsparteien. Für einen SPD-Kandidaten entschieden sich gerade 14 Prozent, für einen Politiker der Linkspartei immerhin neun Prozent. Männer und Frauen unterschieden sich darin nicht so sehr wie die Wähler im Osten von denen im Westen. Im Westen entfielen gerade einmal sechs Prozent der Erststimmen von AfD-Wählern auf einen Kandidaten der Linkspartei, in den neuen Ländern hingegen 19,7 Prozent. Für einen Kandidaten der NPD votierten gar 10,9 Prozent der AfD-Wähler.

          Anhand der Statistik lässt sich nicht ermessen, inwieweit die Aussagekraft dieses Befundes dadurch eingeschränkt ist, dass die AfD nur in 158 von 299 Wahlkreisen einen Direktkandidaten aufgestellt hatte. In die Repräsentative Wahlstatistik gingen nur Daten über Stimmverhalten, Alter und Geschlecht von Wählern ein. Diese wurden in knapp 2900 der insgesamt etwa 90.000 Wahlbezirke erhoben, unter ihnen etwa 350 Briefwahlbezirke.

          Hochburgen für Eurokritiker im Osten

          Allerdings deckt sich die statistisch gesicherte Verortung der AfD-Wählerschaft im Parteienspektrum mit der Analyse des Wahlverhaltens durch die Meinungsforschungsinstitute infratest-dimap und Forschungsgruppe Wahlen. Diese hatten im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten am Wahltag mehrere zehntausend Wähler nach der Stimmabgabe in repräsentativ ausgewählten Wahlbezirken befragt. Diese Erhebungen bildeten nicht nur die Basis für die 18-Uhr-Prognose am Wahltag sowie die nachfolgenden Hochrechnungen. Weil mehr soziodemographische Merkmale erhoben werden als für die Repräsentative Wahlstatistik zulässig, können die Wahlforscher auch Faktoren wie Bildungsabschluss oder Konfessionszugehörigkeit mit dem Stimmverhalten in einen Zusammenhang bringen. Überdies erlaubt die Rückfrage nach dem bisherigen Wahlverhalten, in gewissem Umfang die Wählerströme zu berechnen.

          Diese stellten sich bei der Bundestagswahl am 22. September so dar, dass die AfD auf die Bundesrepublik bezogen geringfügig mehr ehemalige Wähler von Union und FDP gewinnen konnte als von SPD, Grüne und Linkspartei. Außerdem konnte die AfD als einzige Partei neben Union und FDP vormalige Nichtwähler mobilisieren. Die Hochburgen der AfD im Osten verteilten sich indes weitgehend auf die Regionen, in denen in zurückliegenden Wahlen rechtsradikale Parteien besonders gut abgeschnitten hatten.

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