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SPD-Wahlkämpfer Sellering : Der Rosenkavalier von Schwerin

Ministerpräsident mir Rose: Erwin Sellering auf Wahlkampf Bild: dpa

Die Umfragen für die in Mecklenburg-Vorpommern regierende SPD sind nicht berauschend. Ihr Ministerpräsident will die Wahl aber mit Hilfe seiner Beliebheit gewinnen. Die Aussichten stehen nicht schlecht.

          Erwin Sellering zaubert Lächeln auf die Gesichter der Damen. Obwohl es gerade wieder einmal regnet. Er steht geschützt im Eingang eines Einkaufszentrums am Schweriner Marienplatz, dem zentralen Platz der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Die Frauen eilen, um dem Regen zu entkommen.

          Kaum haben sie das Vordach erreicht, überreicht ihnen der Ministerpräsident unter angedeuteter Verbeugung eine Rose. Erst schauen die Damen irritiert und ein bisschen genervt auf, dann aber lächeln sie und eilen, die Rose in der Hand, beschwingt weiter. „Nicht vergessen, am 4. September SPD wählen“, ruft Sellering ihnen hinterher.

          Der Ministerpräsident ist auch der Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl am Sonntag. Die Rosen sind für ihn nichts anderes als eine Waffe im Wahlkampf. 200 Rosen stehen für den Marienplatz bereit. Die Genossen aus der SPD-Landesgeschäftsstelle reichen sie aus großen Sträußen einzeln an Sellering weiter. Eine halbe Stunde, dann sind alle Blumen verschenkt. Und Sellering ärgert sich einen Moment lang, nicht doch ein paar Rosen übrigbehalten zu haben für die Frauen in seinem Lieblingsrestaurant.

          Wahlplakate von Erwin Sellering und Lorenz Caffier

          Das liegt gleich um die Ecke, wo er in der „italienischen Kantine“ häufig zum Mittagessen hingeht – wie auch jetzt. Und wo sich die SPD an Wahlabenden zu treffen pflegt. „Rosenverteilen, das mache ich gern“, sagt der Spitzenkandidat. Ein halbes Dutzend Mal ist er zu diesem Zweck inzwischen losgezogen, mal in Sassnitz auf Rügen, mal in Woldegk, mal in Parchim. Gelächelt wird viel dabei, es gibt freundliche Worte und manchmal auch ein kleines Gespräch.

          Sellering überzeugt ältere Wähler

          In Schwerin hält eine Frau den Ministerpräsidenten auf. Dass mit den Flüchtlingen mache ihr Sorgen, und dass für die auf einmal Geld da sei, für die eigene Bevölkerung aber nicht. Nun hat sich Sellering häufiger kritisch über die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin geäußert. Aber der Vorwurf mit dem Geld soll so nicht stehenbleiben. „Wir wirtschaften ordentlich in Mecklenburg-Vorpommern, auch in der Flüchtlingskrise. Unser Land nimmt seit 2006 keine neuen Schulden mehr auf.“ 

          Ob das wirklich überzeugt? Auf dem Marienplatz ist gut zu erkennen, bei wem Sellering ankommt. Es sind die älteren Frauen. Sie kennen ihn, sprechen ihn mit Namen an, und manche versprechen auch, ihn zu wählen. „Willst du auch eine Rose von Erwin?“, fragt die eine die andere und schiebt sie in Richtung Spitzenkandidat. Die jüngeren Frauen hingegen halten sich zurück und machen einen Bogen. Der Regen ist vorbei, die Sonne kommt vor. Solcher Wahlkampf macht Spaß.

          Mühsamer Wahlkampf

          Es kann aber auch ganz anders zugehen, selbst bei den eigenen Leuten. In Verchen etwa. Erst gibt es dort einen Ortsrundgang mit dem Bürgermeister, der sich auf einen Park beschränkt, in dem abgelaufene Teiche einen trostlosen Anblick bieten. Dann hat der SPD-Ortsverein zum Gespräch im Freien eingeladen.

          Kalt fegt der Wind über den Kummerower See. Mühselig muss ein Gespräch in Gang gehalten werden über Fragen wie: „Erwin, wie setzt du dich für das Ehrenamt ein?“ Wo der Frager doch genau weiß, dass es Sellering war, der gegen alle Bedenken und alle Kritiker eine Ehrenamtsstiftung ins Leben gerufen und gut sozialdemokratisch besetzt hat. Sellering spricht von gleichen Renten in Ost und West. Dafür gibt es dünnen Beifall. „Da müssen wir noch was tun.“ Aber das ist viel zu kompliziert für Wahlkampfbotschaften.

          Sellerings Wahlkampfprogramm macht klar, wie genau die SPD kalkuliert. In dem ungewöhnlichen Wahlkampf mit der unberechenbaren AfD und der um ihre Existenz kämpfenden NPD will er die eigene Klientel an die Wahlurnen bringen. Wer sozialdemokratisch wählen würde oder wenigstens doch Sellering persönlich, der solle eben auch tatsächlich wählen gehen. Die Kampagne der SPD setzt allein auf den Ministerpräsidenten. Denn so schlecht die Umfragewerte für die SPD sind, so gut sind sie für den Ministerpräsidenten.

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