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Wahlkampf : Die CSU hat einen neuen Chat-Roboter

Fallen bestimmte Stichworte, liefert das Programm Antwortbausteine, die häufig mit weiterführenden Links versehen sind. Wie weit das System in die Tiefe geht, zeigt sich, wenn Leo fragt, wie einem das letzte Jahr gefallen habe und welcher Monat der beste gewesen sei. Antwortet man Februar, berichtet er vom Zukunftskongress der Partei, der zu dieser Zeit stattgefunden hat.

Auch die programmatischen Punkte der CSU sind präzise und übersichtlich zusammengefasst. Der Tonfall ist eher locker, aber keineswegs anbiedernd. Sehr deutlich werden die politischen Gegner anvisiert: die Grünen und die AfD. „Mit den rechten Dumpfbacken von der AfD wollen wir nichts zu tun haben“, schreibt Leo. Wer rechtsaußen wähle, stärke damit eine rot-rot-grüne Regierung.

Martin Fuchs, Politikberater und Experte für Wahlkampf im Netz, bewertet den Vorstoß der CSU positiv. Dass es sich um das Beta-Stadium handele, sei deutlich sichtbar. „Man hat noch genügend Möglichkeit, daran zu arbeiten.” Alle Parteien bis auf die SPD, die den Einsatz von Bots ausgeschlossen hat, entwickeln momentan ähnliche Projekte. Die FDP nutzt ein Chatprogramm, das über Parteiinhalte informiert, aber weniger dialogisch aufgebaut ist als das Angebot der CSU. Auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber sprach zuletzt davon, man probiere derartige Kommunikationsmöglichkeiten im Wahlkampf aus, um auf die Flut der Anfragen vor der Bundestagswahl reagieren.

Die AfD hat das Potential ihrer Facebook-Seite ebenfalls schon früh erkannt. Der Verantwortliche für den Auftritt sagte im Gespräch mit der F.A.Z. im vergangenen Jahr, dass aus seiner Sicht das rasche Antworten auf Anfragen bei Facebook entscheidend zum Erfolg der Partei beigetragen habe. Ganz so wie es der Chatbot der CSU jetzt tut, hat es auch die Social-Media-Mannschaft der AfD gemacht und möglichst zeitnah mit Hinweisen auf das Wahlprogramm auf Fragen von Bürgern reagiert.

Politikberater: Die optimale Antwort ist nicht entscheidend

Wer der CSU schreibt, bekommt allerdings häufig nicht die optimale Antwort, die ein Mitarbeiter verfassen könnte. Politikberater Fuchs glaubt nicht, dass das entscheidend ist: „Wichtiger ist, dass die Fragen beantwortet werden und Bürger das Gefühl bekommen, in ihren Anliegen ernst genommen zu werden.“ Ein Problem sieht er darin, dass es bislang ein falsches Bild solcher Programme gebe: „Durch Social Bots, die öffentliche Debatten zu beeinflussen versuchen, sind auch Chat Bots zum Teil in Verruf geraten.“

Im Bundestagswahlkampf könnte den Bots eine zunehmende Rolle zukommen – einerseits könnten sie Interessierte gezielt informieren, andererseits auf Fragen die richtigen Bestandteile der Parteiprogrammatik präsentieren. Wie schnell man die Inhalte anpassen kann, zeigt sich, wenn man Chatroboter Leo zum Thema Leitkultur befragt. „Integration muss heißen, dass diejenigen, die zu uns kommen, sich anpassen und nicht umgekehrt!“ Das bayerische Integrationsgesetz sei das Herzstück der Leitkultur. Dazu eine Schautafel mit den Kernpunkten der Gesetzgebung.

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