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Bundespräsidenten-Suche : In den Hinterzimmern der Macht

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Die Gespräche zur Kandidatur Köhlers fanden in der Privatwohnung von Guido Westerwelle (r.) statt. Bild: ddp Images

Früher haben sich Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten beworben. Das stärkte ihre Stellung. Erst mit Angela Merkel fingen die Verhandlungen im Hinterzimmer an. Das feuert die Gerüchteküche an – auch heute.

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          Es gab Zeiten, da haben sich Politiker für das Amt des Bundespräsidenten regelrecht beworben. Sie haben sich nicht zurückgehalten. Sie haben ihre Kandidatur aktiv betrieben - und sich sogar gegen Absichten amtierender Bundeskanzler und Koalitionspartner durchgesetzt. Walter Scheel etwa. Der damalige FDP-Vorsitzende und Bundesaußenminister bestand darauf, dass er - 1974 nach dem Rücktritt Willy Brandts (SPD) vom Amt des Bundeskanzlers - Bundespräsident werde. Die Wahl Helmut Schmidts (SPD) zum Nachfolger Brandts im Bundestag machte Scheel von seiner Wahl zum Präsidenten abhängig. Scheel wurde am 15. Mai 1974 gewählt. Schmidt einen Tag später.

          Auch Richard von Weizsäcker (CDU) hat seine Ambitionen auf das protokollarisch höchste Amt im Staat nie verborgen. Er hatte, da noch auf Vorschlag des CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl, 1974 gegen Scheel kandidiert. 1984 dann, als die Unionsparteien eine Mehrheit in der Bundesversammlung organisieren konnten, setzte er sein Ziel durch - gegen den hinhaltenden Widerstand des da schon als Bundeskanzler amtierenden Kohl, der sich mangels personeller Alternativen zu beugen hatte. Schließlich Johannes Rau (SPD).

          Gespräche in Westerwelles Privatwohnung

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident war schon 1994 von seiner Partei als Präsidentschaftskandidat nominiert worden, unterlag dann aber dem CDU/CSU-Kandidaten Roman Herzog. Fünf Jahre später, als der Sozialdemokrat Gerhard Schröder schon Bundeskanzler war, sah Rau seine Zeit gekommen. Schröders Favorit aber war Rau nicht. Rau war im Mai 1998 vom Amt des Regierungschefs in Düsseldorf zurückgetreten und hatte Platz für Wolfgang Clement gemacht. Mit Hilfe des damaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine setzte Rau durch, dass er im Herbst 1998 von den SPD-Gremien als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde. Schröder war da mit der Bildung der rot-grünen Koalition beschäftigt.

          Es waren nicht die schlechtesten Bundespräsidenten, die sich für dieses Amt als geeignet empfanden und durchsetzten. Sie hingen nicht an der Leine „ihres“ Bundeskanzlers. Scheel gab dem Amt den Hauch von Jugendlichkeit und Leutseligkeit. Von Weizsäcker prägte es dermaßen, dass er - bis zur Wahl von Joachim Gauck - zum Maßstab für die Qualität seiner Nachfolger wurde. Alle drei versahen ihre Aufgabe in angemessener Distanz zur jeweiligen Bundesregierung und der sie tragenden Koalitionsbündnisse.

          Mit Angela Merkel begann die Zeit, in der Präsidentschaftskandidaten in den Hinterzimmern der Macht ausgehandelt und diese Beschlüsse dann von den Parteigremien vollzogen wurden. Horst Köhler wurde im Februar 2004 in der Berliner Privatwohnung des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle zum Kandidaten von CDU, CSU und FDP erkoren. Monate davor hatte es Geheimgespräche Merkels, die da noch Oppositionsführerin war, mit Köhler gegeben. Westerwelle gelang es, im Bündnis mit Merkel die Nominierung Wolfgang Schäubles zu vereiteln. Köhler wurde im Mai 2004 von der Mehrheit der Bundesversammlung aus Union und FDP gewählt. 2009 wurde er bestätigt. 2010 trat er überraschend zurück.

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